Wirtschaft : Der Vordenker

Wenn Professor John Kay am Donnerstag vor der Deutsch-Britischen Stiftung für das Studium der Industriegesellschaften über Deregulierung und Privatisierung im Vereinigten Königreich vorträgt, dürften die deutschen Zuhörer gespannt lauschen.Zum einen gilt Großbritannien seit der Regierungszeit von Margaret Thatcher als Vorbild für eine Politik, die mehr Markt und Wettbewerb vertraut als der staatlichen Bürokratie.Zum anderen ist John Kay einer der wichtigsten Vordenker dieser Politik.Seit den 80er Jahren analysierte er die Privatisierung der maroden britischen Staatsbetriebe wie British Airways, British Leyland und British Steel.Dabei stellte er fest, daß die Betriebe schon dann effizienter wirtschaften, wenn sie sich noch auf ihre Privatisierung vorbereiten.Deutschland kann einiges vom englischen Modell lernen - allein schon aus dem Grund, daß die Privatisierung hierzulande viel langsamer passiert.In Großbritannien kommen Wasser und Gas von privaten Anbietern.British Airways ist - anders als die Lufthansa - zu 100 Prozent in privaten Händen.Die Londoner U-Bahn soll bald privaten Anteilseignern gehören.

Kay schreibt in seiner regelmäßigen Kolumne in der Londoner Tageszeitung "Financial Times" höchst verständlich und unterhaltsam über das Wirtschaften - von Managern und von Politikern.Auch seine Zunft kritisiert er zuweilen: So wundert er sich, weshalb Ökonomen, die doch soviel über Märkte und Unternehmen wüßten, ihr Wissen nicht unbedingt zu Geld machten.Er selbst hat sich nicht allein auf Lehre und Forschung begrenzt, sondern auch Geld verdient.Mit seiner Firma London Economics berät er Unternehmen.Zudem ist Kay Direktor der renommierten Said Business School an der Universität Oxford.

Seine Ansichten in Sachen Deregulierung und den notwendigen Rückzug des Staats vermag Kay stets lebensnah zu illustrieren.So fragt er beispielsweise: Warum gibt es immer zu viele Taxis am Londoner Flughafen Heathrow? Die Antwort: Weil der Staat verhältnismäßig hohe Tarife festlegt.Deshalb haben Taxifahrer den Anreiz, auch mal einige Zeit auf einen Fahrgast zu warten - während viele der ankommenden Passagiere lieber in die U-Bahn umsteigen.Nun schätzt auch die Labour-Regierung Kay, seit er behauptete, nicht allein die Aktionäre hätten ihr Anrecht auf Dividende: Auch Arbeitnehmer und Kunden müßten vom Erfolg des Unternehmens profitieren.

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