Wirtschaft : „Der Vorstand hat seine Aufgaben nicht gemacht“

Die IG Metall will mit VW nur dann verhandeln, wenn es Garantien für die westdeutschen Fabriken gibt

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Herr Meine, ist VW ein Sanierungsfall?

Der Konzern steht insgesamt gut da. Doch nach Angaben des Vorstands haben die sechs westdeutschen Werke im vergangenen Jahr einen dreistelligen Millionenverlust gemacht. Diese Angaben lassen wir derzeit noch prüfen. Aber jedem ist klar: Die Lage ist ernst.

Was spricht in dieser Lage gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 35 Stunden?

Bereits jetzt, bei einer Arbeitszeit von 28,8 Stunden, haben wir nicht genug Arbeit für die 100 000 Beschäftigten in den sechs Werken; allein 10 000 von ihnen haben ein negatives Arbeitszeitkonto. Eine Verlängerung der Arbeitszeit in dieser Situation ist abwegig.

Könnte aber Kosten sparen.

Das ist der zweite Punkt. Schon heute kann man ohne weiteres 35 Stunden in der Woche arbeiten. VW ist schon lange ein atmendes Unternehmen: Wenn genügend Aufträge vorliegen, kann die Arbeitszeit sofort erhöht werden. Dem Unternehmen geht es also einzig um Kostenentlastung durch unbezahlte Mehrarbeit.

Wollen Sie bestreiten, dass die Arbeitskosten bei VW zu hoch sind?

Wir gehen anders heran. Die ernste Situation des Unternehmens ist darauf zurückzuführen, dass das Management seine Schulaufgaben nicht gemacht hat. Die Organisation der Arbeit ist ineffizient, die Autos sind zu kompliziert konstruiert.

Gibt es keine Vorschläge von Ihrer Seite?

Erst wenn der Vorstand ganz bestimmte Anforderungen erfüllt, werden wir entscheiden, ob wir uns auf Tarifverhandlungen einlassen. Beim zweiten Sondierungsgespräch stellen wir den VW-Vorstand auf den Prüfstand. Das Unternehmen blockiert zum Beispiel den Abschluss einer Betriebsvereinbarung über innovative Arbeitsorganisation. Wir erwarten, dass das jetzt angegangen wird. Zum zweiten wollen wir wissen, welche Fahrzeuge und Komponenten künftig an den sechs Standorten gebaut werden.

Der Vorstand soll sagen, wie viele Golf künftig in Wolfsburg produziert werden?

Ja. Und zusätzlich wollen wir wissen, welches weitere Fahrzeug mit welcher Stückzahl nach Wolfsburg kommt. Das ist zwar versprochen, aber wir wissen noch immer nicht, um welches Modell es sich handeln soll.

Und wenn VW sich darauf nicht einlässt und stattdessen den Tarifvertrag kündigt?

Das Unternehmen würde sich selber schaden, weil dann der alte Tarifvertrag wieder in Kraft gesetzt wird. Zum Beispiel würde die Erholpause wieder von 2,5 auf fünf Minuten je Stunde steigen.

Hartmut Meine

führt als Bezirksleiter der niedersächsischen IG Metall

die Verhandlungen

mit Volkswagen.

Mit dem Gewerk-

schafter sprach

Alfons Frese

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