• Der Vorstand sieht die Gruppe durch die Affäre nicht geschädigt, kündigt aber einen Kodex für seine Mitglieder an

Wirtschaft : Der Vorstand sieht die Gruppe durch die Affäre nicht geschädigt, kündigt aber einen Kodex für seine Mitglieder an

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Der Vorstand der Depfa Deutsche Pfandbriefbank AG und der Depfa Bank AG Bauboden ist überzeugt, dass die Gruppe ungeschoren aus dem Skandal um Klaus-Dieter Schweickert, den ehemaligen Aufsichtsrats-Vorsitzenden der beiden Institute, herauskommen wird. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft Erpressung, Untreue und Steuerhinterziehung vor. Thilo Köpfler, Vorsitzender der Vorstände beider Banken, der nach Schweickerts Verhaftung sofort zur Bankenaufsicht und zur Bochumer Staatsanwaltschaft reiste, bedauerte vor Journalisten, durch ein Engagement in das Berliner Bürohaus Triangel "auf glitschiges Terrain" geraten zu sein; er sei aber "in keiner Weise ausgeglitten". Köpfler hatte das Haus 1994 zusammen mit Schweickert und dem (ebenfalls verhafteten) Geschäftsführer der BBV Immobilienfonds, Karl Fütterer, als Privatmann gekauft. "Dass ich die Immobilie mit meinem damaligen stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden gekauft habe, ist das Kernproblem", sagte Köpfler. Seine "innere Unabhängigkeit" gegenüber Schweickert habe er sich aber trotz des gemeinsamen Projektes bewahren können. Bis zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrates am 4. Oktober kündigte Köpfler die Erarbeitung eines Kodex an, der regeln werde, von welchen Geschäften ein Vorstand künftig Abstand zu nehmen habe.

Nach Köpfler neigt der Vorstand der Depfa - offenkundig im Unterschied zur Staatsanwaltschaft Bochum - "eher der Meinung zu, dass wir (beim Kauf eines Bonner Ministeriums-Gebäudes) nicht geschädigt sind". Die Bank hatte 1996 zusammen mit einer Veba-Immobilientochter und der Bayerischen Beamtenversicherung (BBV) (deren Vorstandsvorsitzender Schweickert bis zu seiner Verhaftung war) von privaten Bauherren das Bürogebäude des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in Bonn erworben. Der Kaufpreis betrug 290 Mill. DM. Bei diesem Geschäft sollen sich beteiligte Manager - darunter Schweickert - um rund sechs Mill. DM illegal bereichert haben. Bei der Depfa habe man den Kaufpreis gekannt und ihn akzeptiert, so Köpfler. Die Provision von 6 Mill. DM, die zur Hälfte von Schweickert kassiert wurde, sei von den Verkäufern der Immobilie bezahlt worden. Ein Schaden könne der Depfa nur entstehen, wenn die Bundesrepublik den Mietvertrag anfechten würde.

Als notleidend kennzeichnete Köpfler einen Kredit, den die Depfa im August 1994 an Karl Fütterer ausgezahlt hat. Es habe sich hierbei um keinen Gefälligkeitskredit gehandelt. Die Immobilie in Berlin-Tempelhof stehe leer. Die Eheleute Fütterer, die 25 bis 30 Prozent der Investititon aus Eigenmitteln aufbrachten, hätten ihr gesamtes Vermögen verloren.

Köpfler setzte sich auch mit Vorwürfen auseinander, die vom "Focus" gegen ihn erhoben worden sind. Die "Focus"-Redaktion habe eine Reihe unwahrer Behauptungen gegen besseres Wissen aufgestellt. Er und die beiden Banken hätten Klage erhoben.

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