Wirtschaft : Der wahre Wert der Couch

Der Discounter Who’s perfect fordert den klassischen Möbelhandel heraus – und kassiert jetzt eine Abmahnung der Konkurrenz

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Billig verkaufen wir nicht“, sagt Kurt Zweckberger, Marketingleiter von Who’s perfect. Denn immerhin biete das Möbelhaus hochwertige Designermöbel. Billiger als der herkömmliche Einrichtungshandel sei Who’s perfect jedoch schon. „Unsere Beschaffungswege erlauben es, Markenmöbel 30, 40 oder 50 Prozent unter dem Listenpreis der klassischen Designhändler anzubieten“, sagt Zweckberger. Unumstritten ist das Angebot jedoch nicht. Inzwischen haben Konkurrenten Who’s perfect wegen diskriminierender Werbung abgemahnt und eine einstweilige Verfügung gegen Who’s perfect beim Landgericht Berlin beantragt.

Who’s perfect hatte nämlich in Zeitungsanzeigen behauptet, Händler würden Lieferanten von Who’s perfect bedrohen. „Die Händler machen auf unsere Lieferanten Druck, damit sie uns nicht mehr beliefern“, sagt Zweckberger. Das sei eine „Behinderung und Herabwürdigung des beratungsintensiven Möbelfachhandels durch Unterstellung unwahrer Tatsachen“, kontert der Fachverband Möbelhandel in Berlin in seinem Antrag zur einstweiligen Verfügung.

Zunächst verkaufte der Nobeldiscounter, wie sich Who’s perfect nennt, vor allem Ausstellungsstücke und Messemodelle mit Schönheitsfehlern. Etwa 95 Prozent seiner Ware bezieht Who’s perfect von italienischen Fabrikanten. Doch inzwischen haben die Läden in München, Berlin, Stuttgart und Hamburg immer mehr fehlerfreie Ware im Angebot. „Es gibt Markenhersteller, die ihre Möbel bei uns inkognito zu günstigen Preisen verkaufen, um ihre Kapazitäten besser auszulasten“, sagt Zweckberger. Auch „brandneue Markteinführungen“ gebe es inzwischen bei Who’s perfect – laut Werbung bis zu 33 Prozent unter dem Listenpreis. Das habe die Konkurrenz aufgeschreckt.

Doch was ist ein Markenhersteller? Auf dem Möbelmarkt gibt es nur wenige Marken, die bei den Kunden tatsächlich bekannt sind. Das räumt auch Zweckberger ein. Who’s perfect habe „vorwiegend unbekannte Hersteller im Angebot, so dass dem Kunden ein Preisvergleich unmöglich ist“, sagt dagegen Reinhard Kusian, Vorsitzender des Fachverbands Möbelhandel in Berlin, der selbst ein Einrichtungsgeschäft betreibt. „Who’s perfect ist nicht billiger“, sagt Kusian weiter. „Jeder verkauft Ausstellungsstücke mit Abschlägen.“ Je höher die Prozente, desto vorsichtiger sollte man jedoch sein, rät er. Und dies, sagt Kusian, gelte für die Schnäppchenangebote im gesamten Möbelhandel. vis

Das Sofa „Yox“ (Foto: promo) von Saba Italia (Listenpreis laut Who’s perfect: 2440 Euro) kostet bei Who’s perfect 1995 Euro.

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