Wirtschaft : Der Wald soll kostbar werden

Beim Klimagipfel geht es um viel Geld zum Schutz

D ie billigste Form von Klimaschutz ist die Erhaltung der tropischen Regenwälder. Zumindest darüber gibt es inzwischen weltweit Einigkeit. In Kopenhagen beim UN-Klimagipfel wird deshalb ein Abkommen über den Schutz der Regenwälder ein entscheidender Baustein sein. Die Idee ist, dass Industrieländer waldreiche Entwicklungsländer dafür entschädigen, dass diese ihre Wälder nicht nutzen. Schon seit zwei Jahren versucht die Weltbank deshalb Systeme zur Kontrolle der Wälder und des Waldverlusts zu entwickeln, die den Geberländern die Sicherheit geben sollen, dass ihr Geld gut investiert wird.

Im Detail gibt es jedoch große Meinungsverschiedenheiten – nicht nur zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Vor allem Brasilien und Indonesien, die den Regenwald im Amazonas und vor allem auf Borneo derzeit in einem galoppierend Tempo verlieren, kämpfen für ein Entschädigungssystem, das eine Verlangsamung der Entwaldung stärker belohnt. Dagegen wünschen sich kleinere Waldnationen wie Surinam oder Costa Rica ein System, das ihre Anstrengungen, die Wälder gar nicht erst abzuholzen, stärker berücksichtigt. Das wäre auch für einige afrikanische Länder, vor allem die Demokratische Republik Kongo, die günstigere Lösung. Wie dieser politische Streit ausgeht, ist derzeit noch völlig offen.

Es zeichnet sich jedoch klar ab, dass vor allem Norwegen, Deutschland, Großbritannien und die USA bereit sind, beachtliche Summen in ein solches Waldabkommen zu investieren. Norwegen hat große Zusagen für den im Rahmen eines Klimaabkommens geplanten Waldfonds gemacht. Deutschland hat vor einem Jahr bei der Weltkonferenz zur Erhaltung der biologischen Vielfalt bis 2012 einen Betrag von einer halben Milliarde Euro und von 2013 an jedes Jahr eine halbe Milliarde Euro für den Waldschutz versprochen. Und erst vor wenigen Tagen kündigte der amerikanische Präsident Barack Obama große Investitionen in den Schutz der tropischen Regenwälder der Welt an.

Die größten Probleme ergeben sich – wie auch bei vielen anderen Entwicklungsprojekten – in der konkreten Umsetzung. Fließt das Geld vor allem an die Regierungen, besteht die Gefahr, dass die Menschen, die unmittelbar in oder um die Wälder leben, von der Kompensation nichts haben. Dann haben sie aber auch wenig Interesse daran, die Wälder zu erhalten. Wenn es für sie keine Jobs oder andere Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen gibt, wird es sehr schwer werden, über einen Waldfonds den Erhalt der Wälder als Kohlenstoffspeicher zu sichern. Es gibt Beispiele für solche Projekte, die aber oft darauf beruhen, dass reiche Touristen aus dem Westen Waldgebiete besuchen und so den Bewohnern eine Lebensgrundlage bieten. Doch bei den Flügen dorthin entstehen neue Treibhausgase, die dann wieder durch neue Waldprojekte kompensiert werden müssten. deh

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