Wirtschaft : Der Weg in die Krise - unübersichtliche Firmenstruktur schuld am Milliardenloch?

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Die Schuldfrage bei der Krise der Philipp Holzmann AG beschäftigt mittlerweile die Staatsanwaltschaft. Sie ermittelt wegen Untreue, Betrug und Bilanzfälschung gegen frühere Vorstände, Manager und Wirtschaftsprüfer. Die Klärung wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Sicher ist bislang nur, dass sich Deutschlands zweitgrößter Baukonzern mit seiner Mitte der 80er Jahre gestarteten Expansion ins Projektgeschäft gewaltig übernommen hat. Ende 1994 waren Vorhaben von nahezu zehn Milliarden Mark bei Holzmann in der Realisierungsphase oder in der Planung. Bei vielen Projekten, vermuten Insider, wurden wegen des harschen Wettbewerbs im Baugeschäft bewusst anfängliche Verluste in Kauf genommen. Mit dem Absturz des Immobilienmarktes platzten die Illusionen. Holzmann hat seit 1995 Verluste von drei Milliarden Mark bereinigt. Nun rätselt die Branche, wie ein weiteres Loch von 2,4 Milliarden Mark "übersehen" werden konnte. Manche verweisen auf die dezentralen Strukturen der Baukonzerne, die das Controlling erschweren. "Da gibt es viele kleine Könige", meint ein Branchenkenner. Diese verfügen über das Datenmaterial der Baustelle, kennen die Kostenstrukturen und leiten diese Informationen möglicherweise nur gefiltert in die Konzernzentrale weiter. Daraus resultiert eine relative Schwäche des Vorstandes gegenüber seinen Niederlassungen. Zur Intransparenz trug aber auch bei, dass ein Großteil der Projektentwicklungsaktivitäten über die Vebag-Vebau-Gruppe abgewickelt wurde, für die Holzmann umfangreiche Bürgschaften abgegeben hatte. Erst nachdem Holzmann 1995 die Vebau komplett übernahm, traten Umfang und Belastungen im Projektgeschäft nach und nach deutlicher zu Tage.

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