• Der Weihnachtsbaum als Arbeitsbeschaffer: Bis zum Heiligabend werden allein in Deutschland 20 Millionen Bäume ausgeliefert / Preise bleiben unverändert

Wirtschaft : Der Weihnachtsbaum als Arbeitsbeschaffer: Bis zum Heiligabend werden allein in Deutschland 20 Millionen Bäume ausgeliefert / Preise bleiben unverändert

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Leuchtende Kinderaugen, glänzendes Lametta und darunter viele Geschenke: Aber der Weihnachtsbaum ist nicht nur ein Kultur- sondern auch ein Wirtschaftsgut. Ungefähr 20 Millionen festtaugliche Nadelbäume werden in Deutschland bis zum 24. Dezember - Heiligabend - ihren Besitzer wechseln, schätzen Experten wie der nach eigenen Angaben führende deutsche Weihnachtsbaumvermarkter Markus Schauer. Allein er will über seine GmbH in den vier Wochen bis zum Fest rund eine halbe Million Bäume verkaufen. Branchenweit soll das Geschäft zu Endverbraucherpreisen an heimischen Weihnachtsbaummärkten für rund eine halbe Milliarde Mark Umsatz sorgen.

Damit hat das Gehölz eine beeidruckende Entwicklung hinter sich. Denn der erste kerzengeschmückte Tannenbaum soll 1611 im Schloss der Herzogin Dorthea Sybille von Schlesien gestanden haben. Zum weit verbreiteten Brauch wurde das Schmücken einer Tanne aber erst durch den deutsch-französischen Krieg von 1870, als deutsche Soldaten am Weihnachtsabend an der Front Tannenbäume aufgestellten. Mit zunehmendem Eisenbahnverkehr verbreitete sich auch die Tradition, am Heiligen Abend einen Baum aufzustellen.

Die Weihnachtsbaumlogistik ist bis heute nicht ganz einfach. Ab Mitte November müssen jedes Jahr binnen zwei Wochen mehrere Millionen Bäume ausgeliefert werden. Knapp zwei Drittel aller demnächst in den Wohnzimmern stehenden Bäume werden im eigenen Land gezüchtet, sagt Schauer. Überlebenswichtig sei das Geschäft damit nicht nur für Besitzer großer Weihnachtsbaumplantagen, auf denen im Schnitt 700 000 Bäume stehen, sondern auch für viele Förstereien. Insgesamt sind im Weihnachtsbaumgeschäft gut 10 000 Arbeitskräfte beschäftigt.

Deutschland ist innerhalb Europas der größte Markt für Weihnachtsbäume, hat der dänische Agrarwissenschaftler Christian Norgaard Nielsen festgestellt. Weit über die Hälfte aller deutschen Weihnachtsbäume seien ursprünglich aus Georgien stammende und sehr haltbare Nordmanntannen. Für den Naturbaum ist Dänemark mit jährlich 15 Millionen Weihnachtsbaumexporten und weit über 100 Millionen gepflanzten Tannen Europas wichtigster Lieferant. Etwa die Hälfte des Exports nimmt Deutschland ab und befriedigt damit knapp ein Drittel des heimischen Bedarfs. Klimatisch sei Dänemark eigentlich kein idealer Standort für die gefragten Nordmanntannen, räumt Nielsen ein. Um zu überleben, sei die dänische Landwirtschaft aber gezwungen gewesen, sich vor etwa 15 Jahren in diese Nische zu flüchten.

Gelitten hat die ganze Branche vor fünf Jahren. Die Nachfolge aus den Neuen Bundesländern wurde überschätzt, die Folge war eine enorme Überproduktion. Der davon ausgelöste, rund 40-prozentige Preisverfall ist heute noch spürbar.

Verbraucher können sich dagegen freuen. Im Schnitt kostet ein Baum laut Schauer dieses Jahr unverändert 30 Mark und ein Edelgewächs bis zu 80 Mark.

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