Wirtschaft : Der weiße Mann gewinnt immer

Kasinos bringen Indianern in den USA Milliarden

Walter Pfaeffle

New York - Die Seminolen sind fein raus. Der Indianerstamm aus Florida hat mit seinen Spielkasinos so viel Geld verdient, dass er fast eine Milliarde Dollar für den Kauf der britischen Hard-Rock-Café-Kette ausgeben kann. Das Geschäft wäre die größte Übernahme eines internationalen Unternehmens durch einen Indianerstamm.

Indianer betreiben in den USA etwa 360 Spielkasinos. Dank der Glücksspielsucht des weißen Mannes verdienen sie damit Milliarden. Vor knapp zwei Jahrzehnten ließ die Regierung in Washington Spielkasinos in Reservaten zu. Das sollte die Steuerzahler entlasten und den verarmten amerikanischen Ureinwohnern helfen. Doch die Realität sieht anders aus. Von den Milliardeneinnahmen der Kasinos profitieren zum großen Teil gerissene weiße Geschäftemacher und Scharen von Anwälten.

Gab es mit dem Spielgeschäft in Indianerreservaten 1988 nur 100 Millionen Dollar Umsatz, ist diese Summe auf nun schon 14,5 Milliarden Dollar gestiegen. Das ist mehr als die Las Vegas und Atlantic City zusammen. Dass die junge Branche über kurz oder lang gewissenlose Geschäftemacher anlocken würde, war abzusehen, zumal die Regeln alles andere als klar definiert waren und unterschiedlich ausgelegt werden konnten.

Zuletzt hatte ein Betrugsskandal im Zusammenhang mit Indianerkasinos sogar die Bush-Regierung in Bedrängnis gebracht. Im März war der Lobbyist Jack Abramoff wegen Korruption und Bestechung zu 70 Monaten Haft verurteilt worden. Indianerkasinos hatten Abramoff und zwei seiner Geschäftspartner 85 Millionen Dollar gezahlt, damit sie in Washington ihre Interessen vertreten. Die Honorare waren aber zu hoch, dennoch ließen Abramoff & Co sogar gegen ihre Klienten arbeiten, um noch mehr Geld herauszuschlagen. Für die Republikaner war die Affäre bei der Kongresswahl im November nicht hilfreich.

In den USA leben 2,6 Millionen Indianer, davon 40 Prozent in Reservaten. Mit einem Anteil von 0,9 Prozent an der Gesamtbevölkerung stellen sie die kleinste Minderheit in den Staaten. Amtlich anerkannt sind von der Bundesregierung 563 Stämme, von den Einzelstaaten weitere hundert. Die erfolgreichsten Kasinos befinden sich in der Nähe von Großstädten. Bei der überwiegenden Mehrheit der Spielhöllen bleibt nach den Kosten aber nicht viel Geld übrig. Die Armut der Indianer mildern können sie deswegen nicht – die Ureinwohner sind immer noch die ärmste Bevölkerungsgruppe.

Wer also sind die Nutznießer? Sicher leben Indianer in einigen Reservaten wie Könige. So berichtete das Magazin ,Time’, jedes der 100 Mitglieder des Table-Mountain-Rancheria-Stamms aus Kalifornien beziehe neben einem monatlichen Stipendium von 15 000 Dollar einen Jahresbonus von 200 000 Dollar. Andere Stämme stecken die Einnahmen in die Infrastruktur der Reservate und bauen Krankenhäuser und Schulen.

Doch selbst das sind Kleckerbeträge, wenn man sie den hunderten Millionen Dollar gegenüberstellt, die Investoren hinter den Kulissen mit der Finanzierung von Glückspielhöllen einstreichen. Ohnehin betreibt weniger als die Hälfte der Stämme Kasinos, und etliche wie etwa die Navajos lehnen das Glücksspiel aus religiösen Gründen ab. Viele reiche indianische Kasinobetreiber verteilen ihre Gewinne nicht unter ihren Stammesgenossen, sondern pumpen Millionen in Wahlkampagnen und in einflussreiche Lobbykanzleien. Und in den Reservaten regieren die indianischen Chefs der Glücksspielverwaltungen oft mit eiserner Hand. Die Vetternwirtschaft floriert, Kritik wird bestraft.

Der Gesetzgeber ist machtlos dagegen. Das Bureau of Indian Affairs im Innenministerium, das die 360 Indianerkasinos überwachen soll, muss mit einem Budget von acht Millionen Dollar und 63 Mitarbeitern auskommen. Zum Vergleich: Die New Jersey Casino Control Commission, die zwölf Casinos in Atlantic City beaufsichtigt, verfügt über einen 59 Millionen Dollar schweren Etat und beschäftigt 720 Mitarbeiter. Der weiße Mann gewinnt auch diesen Krieg.

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