Wirtschaft : "Der Weltmarkt braucht die Autos von Rover nicht" (Interview)

Herr Denninghoff[der Einstieg von BMW bei Rover k]

A. Denninghoff ist Analyst für Automobilwerte bei der Bankgesellschaft Berlin.

Herr Denninghoff, der Einstieg von BMW bei Rover kann im Nachhinein nur als Fiasko bezeichnet werden. Was haben die Münchener falsch gemacht?

Die Sanierung von Rover ist zu vorsichtig angegangen worden. Man hat den Briten zu viele Freiräume gelassen und ihnen wohl auch zu viel Kompetenz zugetraut. Man hat übersehen, dass Rover schon seit Jahren kein eigenes Modell mehr entwickelt hat. Zum Zweiten stimmte bei Rover die Produkt-Preis-Positionierung nicht. Die gehobene Preisklasse passte nicht mehr zum Image. Deshalb hat sich auch das Modell Rover 75 schlecht verkauft.

Braucht der Weltmarkt Rover oder einzelne Marken des Konzerns?

Ein klares Nein. Die Welt kann auf Rover verzichten. Allein in Europa betragen die Überkapazitäten im Automobilbereich zehn bis zwanzig Prozent.

Welche Marken könnten eine Zukunft haben?

Ebenso klar: keine. Die Autos von Rover sind kein Golf oder 3er BMW, die millionenfach verkauft werden. Sicherlich werden dem "Mini", sollte er nicht überleben, einige Käufer nachweinen. Aber im Grunde genommen handelt es sich dabei doch um ein Liebhaberfahrzeug. Damit kann kein Automobilproduzent überleben.

Wie müsste die Überlebensstrategie der Briten aussehen?

Der neue Eigner von Rover steht vor dem Problem, mit Pfiff und Fantasie aus sehr wenig sehr viel machen zu müssen. Die einzige Stärke, die Rover jetzt ausspielen kann, ist eine Kampagne "Buy british". In Großbritannien weiß man, dass in den Midlands auch andere Automobilkonzerne Arbeitsplätze abbauen wollen. Deshalb schlägt Rover derzeit eine Menge Wohlwollen entgegen.

Was braucht Rover um zu überleben?

Werbung, Vertrieb und ein besseres Image.

Kann Phoenix die in das Konsortium gesetzten Hoffnungen erfüllen?

Ich halte das Konzept von Phoenix nicht für schlüssig. Man kann allen Beteiligten nur viel Glück wünschen.

Kann BMW die Schrammen, die es sich in Großbritannien geholt hat, reparieren?

Natürlich bleiben auch bei BMW Image-Wunden, und der Aktienkurs hat gelitten, aber bei den Münchenern ist genügend Substanz vorhanden. Allerdings wird BMW ein Problem mit Rolls-Royce haben. Wo sollen in Großbritannien Teile für das Auto produziert werden?

Sind die Münchener nun selbst ein Übernahmekandidat?

Die Vertrauensbasis in das Management ist nach Rover fraglich, und deshalb ist BMW ein Übernahmekandidat. Das Gespräch führte Daniel Rhée-Piening.

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