Wirtschaft : Der Weltmeister legt zu

Der Außenhandelsverband BGA hebt seine Prognose für den Export an – aber auch der Import legt zu

Jahel Mielke

Berlin - Der deutsche Warenexport wird in diesem und im nächsten Jahr stärker steigen als bisher erwartet. Der Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) korrigierte am Freitag seine Prognosen nach oben. Für das Jahr 2006 rechnet der BGA mit einem Exportanstieg von elf Prozent auf ein Volumen von mehr als 872 Milliarden Euro. Wegen der hohen Rohstoff- und Energiepreise erwarte man aber auch einen Anstieg der Importe um gut 16 Prozent auf etwa 725 Milliarden Euro. Damit erzielt Deutschland zwar einen starken Außenhandelsüberschuss von 147 Milliarden Euro; erstmals seit mehreren Jahren ist das aber kein Rekordüberschuss mehr.

Immerhin: „Deutschland wird auch 2007 den Titel des Exportweltmeisters verteidigen. Dies ist beachtenswert angesichts des immensen Handelswachstums alleine der Volksrepublik China“, sagte BGA-Präsident Anton Börner. Rechnet man neben den Waren auch Dienstleistungen mit ein, liegt Deutschland in der Exportstatistik auf Platz zwei.

Für das kommende Jahr erwartet der Verband allerdings einen Rückgang des deutschen Außenhandels. So sollen die Ausfuhren nur noch um sechs Prozent und damit auf ein Volumen von 925 Milliarden Euro steigen. Mit einer erwarteten Importsteigerung um neun Prozent auf etwa 791 Milliarden Euro sinkt der Überschuss weiter auf 134 Milliarden Euro. Deutschland könne aber seinen Anteil von zehn Prozent an den Weltexporten halten. „Das unterstreicht erneut die Qualität und das Ansehen von Produkten Made in Germany“, sagte Börner. Die positive Entwicklung der Exporte ist laut BGA auch auf die Entspannung des Euro- Wechselkurses zurückzuführen. Im Verlauf der vergangenen zwölf Monate hatte der Euro etwa zehn Prozent an Wert verloren. Das stütze auch den Export in die USA. Für 2007 erwartet der BGA ein Wirtschaftswachstum in Deutschland von 1,2 Prozent und bleibt damit hinter der IWF-Prognose zurück.

Kritik übte der Verband an der Politik der Großen Koalition. Die Regierung erginge sich „in großen Kompromissen statt in großen Taten“, sagte Börner. „Ein wettbewerbsfähiges Steuer- und Sozialsystem, eine Flexibilisierung des Arbeitsmarkts und der Abbau von bürokratischen Hemmnissen stehen weiter auf der Agenda.“

Auch der Nahost- Konflikt bedeute negative Folgen für den Handel. Die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft seien vielfältig, sagte Börner. Die Effektivität eines Handelsembargos gegen den Iran bezweifle er. „Eine Folge wäre in jedem Fall, dass dieser wichtige Markt an unsere asiatischen Wettbewerber, insbesondere China und Indien, verloren ginge.“

Bei der Zinsentwicklung erwartet der BGA 2006 zwei weitere Zinsschritte der Europäischen Zentralbank um je 25 Basispunkte. Auch mittelfristig könne es weitere Erhöhungen geben, sagte Börner.

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