Wirtschaft : Der Wind frischt auf

Im ersten Halbjahr mehr Windräder in Deutschland aufgestellt / Aber Exportmarkt China macht Probleme

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Markt hinter Mauern. Deutsche Windanlagenbauer klagen, dass sie wegen hoher Zölle nicht vom Boom in China profitieren. Foto: Reuters
Markt hinter Mauern. Deutsche Windanlagenbauer klagen, dass sie wegen hoher Zölle nicht vom Boom in China profitieren. Foto:...Foto: REUTERS

Berlin - Die heimischen Windkraftanlagenbauer erholen sich von ihrer Absatzflaute im vergangenen Jahr. Im ersten Halbjahr 2011 wurden hierzulande 356 Windräder neu aufgebaut. Die Anlagen haben eine theoretisch mögliche Stromerzeugungskapazität von 793 Megawatt. Eingerechnet sind 25 Megawatt von fünf neuen Windrädern in Hochseegewässern. Insgesamt wurde 20 Prozent mehr Windkraftleistung als im gleichen Vorjahreszeitraum installiert. Das geht aus einer Branchenbefragung des Windenergie-Institutes DEWI hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Branchenvertreter erwarten, dass hierzulande im Gesamtjahr 2011 Windräder mit einer Kapazität von 1800 Megawatt installiert werden. Das entspräche dem Mittel der vergangenen fünf Jahre. Im Rekordjahr 2002 war mit 3240 Megawatt allerdings fast doppelt so viel Windkraftleistung neu aufgebaut worden.

Dass die Branche in Deutschland bald wieder derartige Werte erreicht, glaubt man in der Industrie nicht. Allerdings sieht Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie, positive Bewegungen auf dem Heimatmarkt. „Die Bundesländer haben signalisiert, dass sie das vorhandene Windenergiepotenzial nutzen wollen“, sagte er. Jetzt komme es darauf an, dass auch die Bundesregierung ihre Ausbauziele an Land nach oben korrigiert. Diese setzt vor allem auf den Bau großer Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee.

Der Bund gibt bei der Energiepolitik die grobe Linie vor, indem er etwa die Höhe der Einspeisevergütungssätze bestimmt, was Auswirkungen auf die Profitabilität von Windparks hat. Länder und Kommunen aber entscheiden, ob überhaupt neue Standorte für Windräder ausgewiesen werden. Sie regeln auch Fragen wie die Höhenbegrenzungen für Masten. Vielerorts drehe die Stimmung wieder zugunsten von Windkraft, sagte Albers. Er verwies zum Beispiel auf das von CDU und FDP regierte Küstenland Schleswig-Holstein, das sich zum Ziel gemacht hat, die installierte Windkraftkapazität in den kommenden Jahren zu verdreifachen. Das neuerdings grün-rot regierte Baden-Württemberg will die Windkraftleistung sogar verzehnfachen. Da diese Stromerzeugungsform dort bisher aber nur eine untergeordnete Rolle spielte, würde Baden-Württemberg dann erst so viel Windstrom produzieren, wie es das Land Brandenburg es schon heute tut.

Wichtiger noch als die Gesetze in Bund und Ländern ist für die Branche die Entwicklung im Ausland: 66 Prozent der Anlagen gehen in den Export. Der entwickelte sich zuletzt ungünstig: Obwohl der Weltmarkt 2010 leicht wuchs, sank der Anteil deutscher Firmen von 14,5 Prozent 2009 auf 13,8 Prozent 2010. Der Gesamtumsatz aller in Deutschland produzierenden Windkraftanlagenbauer sank von 5,25 Milliarden auf 4,97 Milliarden Euro.

Grund dafür war unter anderem, dass der wichtige US-Markt im vergangenen Jahr eingebrochen ist, weshalb die deutschen Anlagenbauer auch Jobs streichen mussten. Als ärgerlich empfinden Branchenvertreter, dass sie im Gegenzug nicht vom aktuellen Boom auf dem Windkraftmarkt in China profitieren können. „Die Zugangsbedingungen für uns zum chinesischen Markt sind gelinde gesagt unter aller Sau“, sagte Thorsten Herdan, Geschäftsführer des Branchenverbandes VDMA Power Systems. Hohe Zölle würden Einfuhren verteuern. Zudem würden Provinzbehörden beim Bau von Windparks meist Anlagen einheimischer Hersteller verwenden. Echter Wettbewerb finde dort, anders als in Europa und den USA, nicht statt.

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