• Der wirtschaftliche Aufschwung verzögert sich Ifo meldet bessere Stimmung, doch Experten warnen vor Optimismus

Wirtschaft : Der wirtschaftliche Aufschwung verzögert sich Ifo meldet bessere Stimmung, doch Experten warnen vor Optimismus

-

Berlin (uwe/ost/HB). Das Münchner ifoInstitut sieht leichte Anzeichen für eine Verbesserung der Stimmung bei den deutschen Unternehmen: Beim Konjunkturtest des Wirtschaftsforschungsinstituts im Dezember sei vor allem bei Industrieunternehmen in West- und Ostdeutschland eine Aufhellung erkennbar gewesen. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn relativierte diese Nachricht allerdings. Mit einer kurzfristigen Besserung der Konjunktur sei nicht zu rechnen, sagte er. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt werde sich noch einmal deutlich verschlechtern. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, sagte der „Bild am Sonntag“, er rechne bald mit einer wirtschaftlichen Erholung in der Eurozone, schloss allerdings eine weitere Zinssenkung nicht aus.

Damit wird immer klarer, dass die wirtschaftliche Erholung trotz des zaghaften Optimismus in der Industrie sich verzögert. „Ich sehe einfach nichts, was uns in Richtung Erholung bringt“, sagt Holger Fahrinkrug, Deutschland-Experte der Investmentbank UBS Warburg. Nach zwei enttäuschenden Jahren in Folge haben etliche Ökonomen ein ungutes Gefühl: „Ich zweifele an dem Aufschwung, den viele für die zweite Jahreshälfte prognostizieren“, sagt Martin Hüfner, Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank.

Die meisten Experten taxieren das deutsche Wachstum 2003 nur noch auf 0,6 bis 1,1 Prozent. Immer mehr befürchten sogar das Schlimmste: einen neuen Abschwung. „Mit Beginn des Winters steht Deutschland am Rande einer zweiten Rezession“, sagt Holger Schmieding von der Bank of America. Wolfgang Franz, Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), sagt: „Es steht fünfzig zu fünfzig, dass es zu einer neuen Rezession kommt.“ Allein die steigenden Beiträge zur Sozialversicherung belasten Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit zwölf Milliarden Euro pro Jahr – 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), rechnet UBS-Mann Fahrinkrug vor. Kommt es zum Irak-Krieg, dürfte dieser die heimische Wirtschaft in den Abgrund schubsen – wenn die Ölpreise in die Höhe schießen, die Aktienmärkte einbrechen und Verbraucher wie Unternehmen verunsichert sind. Es sei denn, die USA gewinnen den Krieg rasch. Dann könnte die Weltwirtschaft durchstarten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben