Wirtschaft : Des Kanzlers neue Freunde

Warum die deutschen Wirtschaftsbosse mit der Bundesregierung so gut können

D. Rosenfeld[A. Sirleschtov],U. weidenfeld

So genau kann niemand sagen, wer damit angefangen hat. Klar aber ist: Seit ein paar Wochen finden Unternehmer und Manager es wieder prima, wie der Kanzler und sein Wirtschaftsminister die Deutschland AG auf Kurs halten. „Es bewege sich einiges in die richtige Richtung“, erkennt etwa ABB-Chef Jürgen Dorman. „Was der Kanzler macht, finde ich gut. Ich habe davor alle Achtung. Schröder hat für die Konsequenzen seines Reformkurses meine volle Unterstützung“, sagt Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp.

Schrempp und rund 60 andere Top-Manager schalteten sogar Anfang Oktober eine Zeitungsanzeige, in der sie Schröder ihre Anerkennung ausgesprochen haben: „Wer mutig ändert, was geändert werden muss, hat uns auf seiner Seite“, stand da in dicken schwarzen Buchstaben und die Liste der Unterzeichner liest sich wie das „Who is who“ der deutschen Vorstandschefs: Rolf Breuer (Deutsche Bank), Jürgen Weber (Lufthansa), Wendelin Wiedeking (Porsche), Gunter Thielen (Bertelsmann).

Vor ein paar Monaten noch war das anders. Da kuschelten die Vorstandschefs am liebsten mit der CDU. Ein Dinnerspeech von Angela Merkel, ein Mittagessen mit Friedrich Merz: Schöner ließ sich keine Veranstaltung deutscher Unternehmerverbände krönen. Die Aussicht auf eine Kanzlerin, die die Mitbestimmung abschafft, die Tarifautonomie einschränkt und dann auch noch die Arbeitskosten drückt, beflügelte die Unternehmen in ihrem Hang zu den Schwarzen.

Der Wind hat gedreht. Mit dem Zwist in der Union, mit dem Abgang von Merz, mit dem Gewackel bei der Gesundheitsreform fiel die CDU auch bei den Unternehmern in Ungnade. Parallel dazu entdeckten sie, dass der Kanzler schon länger keinen Kurswechsel mehr zugemutet hatte und dass er offenbar entschlossen ist, die Hartz-Reformen umzusetzen.

Die Wirtschaft braucht zuallerst Klarheit und Kontinuität, heißt es in den Verbänden zum Stimmungswechsel. Und die sei im Augenblick bei der Union nicht zu bekommen. Der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel sagt: „Die Wirtschaft bedauert den Rücktritt von Friedrich Merz zutiefst, genau wie sie die Dissonanzen in der Union nicht gerne sieht.“ Der Union fehle derzeit nunmal ein klarer wirtschafspolitischer Reformkurs, konstatiert Henkel.

So schnell kann das gehen. Gerät der Kanzler in die Bedrouille, etwa, wenn die Wirtschaftsverbände massive Veränderungen der Arbeitnehmermitbestimmung verlangen, dann springen die Mahner in die Bresche: „Die Mitbestimmung funktioniere hervorragend“, sagt der neue Kanzlerfreund Jürgen Schrempp. Und auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking erklärt, man sei bei Porsche damit immer gut gefahren.

Erleichtert registriert auch der Managerkreis der SPD-nahen FriedrichEbert-Stiftung, dass es wieder läuft zwischen Schröder und der Wirtschaft. Der Sprecher des Kreises, Ulrich Pfeiffer, findet: „Schröder hat sich gemausert, das erkennen die Unternehmer an. Der Kanzler hat die Deutschen, die sich noch als Halbgötter auf dem Wirtschaftsolymp gefühlt haben, mit den Hartz-Reformen auf den Boden geholt.“

In Unionskreisen sieht man die Unterstützung der Unternehmer für den politischen Gegner noch einigermaßen gelassen. „Kaufleute sind eben Pragmatiker“, sagt einer, der sich gern daran erinnert, wie die Börsenkurse in die Höhe schnellten, als Oskar Lafontaine zurücktrat. Wenn es was zu verdienen gebe, dann seien die Unternehmer eben unpolitisch .

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