Wirtschaft : Desertec diesseits von Afrika

Politiker und Unternehmer wollen mit Solarkraftwerken die Wirtschaft in wankenden Euro-Ländern auf Trab bringen

Klaus Stratmann (HB)
Ungeduld. Anlagenbauer wie Solar Millennium wollen nicht warten, bis Nordafrika reif ist für Wüstenstrom. Sie investieren in Europa, zum Beispiel in Spanien. Foto: p.a./dpa
Ungeduld. Anlagenbauer wie Solar Millennium wollen nicht warten, bis Nordafrika reif ist für Wüstenstrom. Sie investieren in...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Das Wüstenstrom-Projekt Desertec könnte nordwärts wandern: Hatte die von deutschen Konzernen maßgeblich getragene Industrieinitiative bisher Nordafrikas Länder als Standorte für Solarkraftwerke im Blick, bringen Unternehmen und Politiker nun auch EU-Länder wie Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal ins Gespräch. Mit Solarstrom aus europäischen Mittelmeerländern ließen sich „drei Fliegen mit einer Klappe“ schlagen, sagte Christoph Wolff, Vorstandsvorsitzender der Solar Millennium AG, dem „Handelsblatt“.

Wegen des hohen Anteils an lokaler Wertschöpfung helfe man der Wirtschaft in Südeuropa und dort vor allem dem Mittelstand. Auch deutsche Unternehmen, die Komponenten lieferten, könnten profitieren. „Und wir Deutschen bekommen planbaren erneuerbaren Strom, den wir als Ersatz für den Atomstrom gut gebrauchen können“, sagte Wolff.

Solar Millennium baut solarthermische Kraftwerke. Zurzeit schließt das Unternehmen den Bau des Kraftwerks „Andasol 3“ in Andalusien ab, das im Oktober den kommerziellen Betrieb aufnehmen soll. Solarthermische Kraftwerke nutzen Sonnenstrahlung zur Stromerzeugung. Sonnenenergie wird über Spiegel gebündelt und zur Dampferzeugung genutzt, um damit eine Turbine anzutreiben, die Strom produziert. In der Politik wird der Ausbau der erneuerbaren Energien ebenfalls als einer der Schlüssel für die wirtschaftliche Belebung in den hochverschuldeten Ländern Südeuropas angesehen.

Das Thema hat etwa bei den Gesprächen von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mit Wirtschaftsvertretern in der vergangenen Woche eine Rolle gespielt. Auch die Europäische Investitionsbank (EIB) hält den Ausbau der erneuerbaren Energien für einen der Schlüssel zum Umbau des Landes und fördert entsprechende Projekte. Und EU-Energiekommissar Günther Oettinger hatte in der vergangenen Woche angekündigt, bei den Hilfen für Griechenland der Sonnenstrom-Produktion besondere Beachtung zu schenken.

Wenig begeistert sind die Initiatoren des Desertec-Projektes von Überlegungen, in Ländern wie Griechenland die Solarthermie in großem Stil voranzutreiben. Dadurch könnte die Desertec-Idee Aufmerksamkeit einbüßen. So räumt Paul van Son, Chef der Desertec Industrial Initiative (Dii), zwar ein, dass ein Land wie Griechenland gute Voraussetzungen habe. „Noch besser als in Griechenland sind die Bedingungen für erneuerbare Energie in Nordafrika und dem Nahen Osten.“ Die Länder dieser Region verfügten über sehr große nutzbare Wüstenflächen mit weitaus höherer Sonneneinstrahlung. Aus Sicht von Solar-Millennium-Chef Wolff liegt gerade in den kürzeren Transportwegen einer der Vorteile, den Strom in Südeuropa zu produzieren. Daher wünscht er sich eine EU-weite Regelung für die Vergütung von Sonnenstrom. Klaus Stratmann (HB)

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