Wirtschaft : Desertec-Projekt startet in Marokko

Ab 2015 soll Wüstenstrom nach Europa fließen

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Berlin - Die Initiatoren des Wüstenstromprojektes Desertec haben konkrete Planungen für ein erstes Referenzprojekt begonnen. Die Bauarbeiten und Möglichkeiten der finanziellen Beteiligung für ein Solarkraftwerk in Marokko sollen 2013 ausgeschrieben werden. Das teilte die Desertec Industrial Initiative (DII) am Donnerstagabend in Berlin mit. 2015 oder 2016, spätestens also in gut fünf Jahren, solle erstmals mit Sonnenkraft erzeugter Strom von Nordafrika nach Spanien in die EU transportiert werden.

Das Projekt orientiert sich eng an einem Kraftwerksbau, den die staatliche marokkanische Solaragentur Masen derzeit in der Kleinstadt Ouarzazate, 200 Kilometer südöstlich der Touristenstadt Marrakesch, realisiert. Dieses soll allerdings vorerst nur Strom für den Inlandsmarkt des rohstoffarmen Landes produzieren. Die Anlage wird eine Leistung von 500 Megawatt haben, was gut einem Drittel der Nettoleistung des stärksten Deutschen Kernkraftwerkes Brokdorf (1400 Megawatt) entspricht.

Die Ausschreibung für dieses solarthermische Kraftwerk in Ouarzazate läuft bereits. An drei der vier Konsortien, die sich um den Bau dort bewerben, sind auch Mitglieder der Desertec Industrie Initiative beteiligt. In der DII haben sich mittlerweile 50 Unternehmen aus Deutschland, anderen Ländern Europas und Nordafrikas zusammengeschossen – vor allem aus Industriebranchen, der Energie- und der Finanzwirtschaft.

Der Standort für das erste von der DII begleitete Kraftwerk könnte ebenfalls Ouarzazate sein. Die Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte der Chef der DII, Paul van Son. Was die Technik angeht, sind die Vorstellungen aber schon recht konkret. Das Kraftwerk mit ebenfalls 500 Megawatt Leistung soll aus zwei Teilen bestehen: 400 Megawatt sollen mit solarthermischen Anlagen erzeugt werden, die Sonnenlicht in Spiegeln bündeln. Die erzeugte Hitze soll gespeichert werden, um damit auch nachts grundlastfähigen Strom zu erzeugen. 80 Prozent der Energie sollen über ein bereits existierendes Kabel durch die Meerenge von Gibraltar nach Europa exportiert werden. Ergänzt werden soll das Werk durch eine Photovoltaikanlage, die 100 Megawatt erzeugt. Der mit ihr erzeugte Strom soll aber zu 80 Prozent in Marokko bleiben.

Das Investitionsvolumen beziffert die DII auf 2,1 bis 2,3 Milliarden Euro. Insgesamt, so die ursprüngliche Desertec-Vision, sollen bis 2050 rund 400 Milliarden Euro in der Region investiert werden. Die DII strebe einen Finanzierungsmix aus öffentlichen und privaten Mitteln an. Van Son nannte Fonds von Weltbank und der deutschen KfW-Förderbank, sagte aber nicht, wie groß der Beitrag privater Investoren sei soll. Kevin P. Hoffmann

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