Wirtschaft : DeTeWe will internationaler werden

Unter dem Dach des Mutterkonzerns Aastra hat der Berliner Anbieter von Telekommunikationstechnik neue Märkte im Visier

Corinna Visser

Berlin - Telefone und Telekommunikationsanlagen – das ist das Geschäft von DeTeWe seit knapp 120 Jahren. Nach einer verlustreichen Zeit und massivem Stellenabbau will das Berliner Traditionsunternehmen, das inzwischen zur kanadischen Aastra-Gruppe gehört, 2006 die Wende schaffen. „Unser gemeinsames Ziel in diesem Jahr sind einige Monate mit schwarzen Zahlen“, sagte Andreas Latzel, Chef der Aastra-DeTeWe-Gruppe Deutschland, im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Ob das unterm Strich auch neue Arbeitsplätze am Unternehmenssitz in Kreuzberg bringen wird, sei noch offen. „Wir bauen in einigen Bereichen Stellen ab, in anderen kommen neue Arbeitsplätze hinzu“, sagte Latzel.

Heute beschäftigt DeTeWe in Berlin 380 Mitarbeiter in Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung, sowie bundesweit weitere 320 Mitarbeiter in mehr als 15 Niederlassungen. Produziert wird in Kreuzberg seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. 2005 setzte die Aastra-DeTeWe Gruppe in Deutschland rund 150 Millionen Euro um und schrieb rote Zahlen. In den Boomzeiten sah das anders aus: Im Jahr 2000 machte DeTeWe – einschließlich des damals noch zum Geschäft gehörenden Bereiches öffentliche Vermittlungstechnik – mit 2900 Mitarbeitern rund 450 Millionen Euro Umsatz.

„DeTeWe hat sich zu stark auf den deutschen Markt konzentriert und daher in den vergangenen vier bis fünf Jahren unter dem extremen Preis- und Wettbewerbsdruck hier zu Lande gelitten“, sagte Latzel. Unter dem Dach des neuen Mutterkonzerns Aastra soll sich das ändern. „Mit Aastra wird es für DeTeWe leichter, die internationalen Kundenbeziehungen auszubauen.“ Das kanadische Telekommunikationsunternehmen hatte DeTeWe im August 2005 für 35 Millionen Euro von der Röchling-Gruppe gekauft. Seit 2000 ist Aastra durch sieben Zukäufe kontinuierlich gewachsen. Mit 1850 Mitarbeitern setzte das Unternehmen in den ersten neun Monaten 2005 350 Millionen Dollar um, 76 Prozent davon in Europa.

„Bei der Akquisition von DeTeWe stand für Aastra nicht die Finanzoptimierung im Fokus, sondern das operative Geschäft erfolgreicher zu machen“, sagte Latzel. Aastra wolle an die Tradition von DeTeWe in Deutschland anknüpfen. Daher bleibe auch der Name erhalten.

An der Außendarstellung des Unternehmens muss sich nach Latzels Meinung jedoch etwas ändern. „Der Ruf von DeTeWe hat zuletzt arg gelitten“, sagte er. „DeTeWe ist sehr innovativ, doch das wird leider nicht richtig wahrgenommen.“ DeTeWe entwickelt Telefone und Telefonanlagen sowohl für den privaten als auch den geschäftlichen Gebrauch. „Das wichtigste Standbein sind Kommunikationslösungen für Unternehmen“, sagte Latzel. Dabei setzt DeTeWe vor allem auf die Internettechnik. „Da haben wir die Nase vorn, vor allem was mobile Lösungen angeht.“

Moderne Kommunikationslösungen seien dabei nicht nur für große Unternehmen interessant. „Wir helfen auch dem Handwerksbetrieb Kosten zu sparen und seinen Service zu verbessern“, sagte Latzel. Viele Funktionen in Telefonanlagen, die früher nur Call-Centern vorbehalten waren, stünden nun auch anderen Unternehmen kostengünstig zur Verfügung. So sei es heute möglich, auch von zu Hause aus vollen Zugriff auf die Daten im Betrieb zu haben. „Der Kunde bemerkt dann gar nicht, dass er die aushelfende Ehefrau des Handwerksmeisters zu Hause erreicht und nicht die Sekretärin im Büro.“

Wie Unternehmensabläufe durch Kommunikationstechnik verbessert werden können, zeigt DeTeWe unter anderem auf der Cebit im März und weiteren Fachmessen. Auf der Altenpflegemesse in Hannover präsentiert es seine Lösung für Pflegedienste. Hierbei kann das Personal seine Pflegeleistungen schnell und ohne lästige Schreibarbeit dokumentieren: Der Mitarbeiter spricht einfach in ein mobiles Endgerät. Per Spracherkennung landen die Informationen direkt in den Patientenakten. „Wir bieten eine lückenlose Infrastruktur, die gleichzeitig voll in die Datenverarbeitung integriert ist“, sagte Latzel. „Sprache ist unsere Kernkompetenz.“

Und weil Sprache das wichtigste Thema für DeTeWe ist, will der Deutschland-Chef künftig auch Englisch-Kurse anbieten. Denn noch sprechen nicht alle Mitarbeiter die Sprache des neuen kanadischen Eigentümers.

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