Wirtschaft : Detroit Auto Show: Die Amerikaner fallen zurück

Alfons Frese

Die Stimmung wird auch der Porsche GT2 nicht retten. Das Monstrum aus Stuttgart - 462 PS zum Preis von 339 000 Mark - gehört zu den Stars der Auto Show in Detroit, wo kommende Woche die Branche ihre neuesten Produkte präsentiert. Und auf bessere Zeiten hofft. Denn der Industrie steckt der Schock noch schwer in den Knochen: Im Dezember schrumpfte der Autoabsatz in den USA bei den "Big Three" (General Motors, Ford und Chrysler) um rund 15 Prozent. Für das neue Jahr wird ein weiterer Rückgang um mindestens fünf Prozent erwartet, noch schlechter sind die Prognosen für 2002. Nach dem Rekordjahr 2000, als auf dem größten Automarkt der Welt 17,4 Millionen Autos verkauft wurden, rechnen die Hersteller in den kommenden Jahren mit jeweils gut 15 Millionen Fahrzeugen. Das ist gewissermaßen Normalität: Aufgrund der hohen Verkaufszahlen der Vergangenheit sinkt in der Zukunft der Ersatzbedarf. Doch wie schwer sich die US-Hersteller mit den normalen Umständen tun, zeigt nicht nur die Chrysler-Krise. Auch Ford und GM fahren die übliche Strategie: Stellenabbau, Fabrikschließungen und Druck auf Zulieferer.

Wenig gebracht hat den Amerikanern das Rabattsystem. Mit Abschlägen bis zu einigen tausend Dollar pro Auto sollten Marktanteile verteidigt werden. Vergebens. Insbesondere die deutschen Marken haben den amerikanischen schwer zugesetzt und sind in Nordamerika so erfolgreich wie noch nie. Zum Beispiel BMW: Die Münchener verkauften im Dezember 58 Prozent mehr Autos in den USA als vor Jahresfrist. Nicht viel weniger beeindruckend sind die Zahlen von Mercedes, VW, Audi und Porsche. Deutsche Hochtechnologie schlägt amerikanische Massenware. Das sieht man bei Chrysler. Das Milliardenverluste einfahrende Unternehmen soll künftig mit Bauteilen der Schwester Mercedes aufgerüstet werden.

Die technologische Schwäche der Amerikaner könnte Nebeneffekt einer falsch verstandenen Shareholder-Value-Ideologie sein: Weil hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung den Gewinn drücken und damit dem Aktienkurs schaden, wird dieser Bereich vernachlässigt. Mit langfristig verheerenden Folgen - aber dann sind die Konzernchefs, die mit ihren Aktienoptionen hübsch Kasse gemacht haben, womöglich schon weitergezogen.

Die "wertorientierte Unternehmensführung", wie Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp seine Philosophie nennt, ist langfristig. Deshalb sagt Schrempp auch offen, dass die Chrysler-Sanierung "zwei, drei oder vier" Jahre braucht. Und deshalb investieren die deutschen Unternehmen mehr als je zuvor. Während die Amerikaner ihre Kapazitäten abbauen, schaffen die Deutschen zusätzliche: Das Daimler-Chrysler-Werk in den USA wird erweitert, Porsche baut eine neue Fabrik in Leipzig und VW in Dresden, in einigen Monaten entscheidet BMW über einen weiteren Werkstandort in Europa. Diese Investitionen zielen alle in die gleiche Richtung: Die Produktion im oberen Segment oder sogar in der Luxusklasse wird aufgestockt; dort sind die Margen am fettesten, dort erwarten die Konzernstrategen die größten Nachfragezuwächse.

Das Kalkül kann aufgehen, weil erstens zunehmend jede Nische besetzt wird. Porsche und VW etwa bieten demnächst einen Geländewagen an und folgen damit Mercedes und BMW, die mit ihren Offroadern insbesondere in den USA enormen Erfolg haben. Und zweitens geht der Trend auf den ziemlich gesättigten Märkten in Westeuropa und Nordamerika sozusagen nach oben: Immer mehr Leute kaufen teure Autos. Am sichtbarsten ist das in Deutschland, wo im vergangenen Jahr erstmals mehr Mercedes als Opel gekauft wurden. Und nur 1500 Autos haben gefehlt, dann hätte BMW mehr abgesetzt als der Massenhersteller Ford. Hinter dieser Entwicklung verblasst ein wenig der ökologisch relevante Fortschritt bei kleinen verbrauchs- und emissionsarmen Fahrzeugen. Doch der nächste Megatrend, mit dem die Branche neue Nachfrage schafft, kündigt sich an: Die Entwicklung alternativer Antriebe, insbesondere die Brennstoffzelle. Und auch hier gilt wie bei fast allen automobilen Innovationen: Die deutschen Hersteller liegen an der Spitze.

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