Wirtschaft : Deutlich bessere Stimmung in der Wirtschaft

brö/ari

Der Optimismus in der deutschen Wirtschaft wächst. Der Ifo-Index für das Geschäftsklima, der die Stimmung in den Unternehmen widerspiegelt, stieg im Februar für Westdeutschland überraschend stark von 86,2 auf 88,7 Punkte. Das ist der dritte Anstieg in Folge. Fachleute werten dies als Zeichen für eine nahe Trendwende. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) äußerte sich zuversichtlich über die Wirtschaftsaussichten. An den Börsen sorgte der neue Wert für einen starken Anstieg des deutschen Aktienindex Dax, der allerdings später wieder abbröckelte. Dagegen deuteten Konjunkturdaten aus den USA darauf hin, dass sich der erwartete Aufschwung dort verzögern könnte.

Der Ifo-Konjunkturindex erreichte damit den höchsten Stand seit den Terroranschlägen vom 11. September. Er wird allmonatlich mittels einer Umfrage unter 7000 Unternehmen ermittelt. Auch für Ostdeutschland nahm der Wert deutlich zu - nach 98,3 Punkten im Januar erreichte er nun 100,4 Punkte, soviel wie seit Dezember 2000 nicht mehr. Vor allem die Industrie und der Großhandel verbreiteten Optimismus. Auf dem Bau war das Klima indes unverändert, im Einzelhandel verschlechterte es sich sogar.

Jedoch sehen die Unternehmen die kommenden Monate zuversichtlicher als ihre aktuelle Lage. Während für Westdeutschland der Wert für die Erwartungen von 94,8 auf 101 Punkte stieg, ging der Index für die aktuelle Lage von 78 auf 76,8 Punkte zurück. Das zeigt, dass die Flaute noch immer anhält. Im Osten war der Rückgang weniger stark. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte, der Februar-Index sei ein Zeichen für einen baldigen Aufschwung. Die Diskrepanz zwischen aktueller Lage und Zukunftserwartungen sei typisch für die Spätphase eines Abschwungs. Ähnlich sei es in den Schwächephasen 1993 und 1999 gewesen.

Kanzler Schröder wertete die neuen Konjunkturdaten als positive Nachricht. Auch andere Fundamentaldaten deuteten darauf hin, dass die Konjunktur sich positiv entwickeln werde. "Wir sollten das Land nicht schlechter reden als es ist", sagte Schröder.

Analysten und Volkswirte zeigten sich überrascht von der starken Zunahme des Ifo-Index. Wann die deutsche Wirtschaft wieder in die Wachstumszone komme, ist allerdings umstritten. Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard sowie Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt erwarten, dass die deutsche Wirtschaft bereits in diesem Quartal wieder stärker wächst als im letzten Vierteljahr 2001. Ralph Solveen von der Commerzbank rechnet wegen der nochmals schlechteren Lageurteile in den ersten drei Monaten nur mit einem stagnierenden Bruttoinlandsprodukt (BIP). Es werde aber im zweiten Vierteljahr wachsen. Jörg Krämer von Invesco sieht Deutschland sogar erst ab Jahresmitte auf Wachstumskurs.

In den USA scheint sich der Beginn des Aufschwung indes etwas zu verzögern. Der wichtige Index für das Verbrauchervertrauen (siehe Lexikon ) ging im Februar auf 94,1 Punkte zurück - im Januar waren es 97,8 Punkte gewesen. Das Verbrauchervertrauen ist ein Zeichen für die Konsumlaune der Amerikaner, die zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts tragen. Der vom Forschungsinstitut Conference Board in New York ermittelte Vertrauenswert erreichte damit den niedrigsten Stand seit November. In den beiden Vormonaten hatte er noch zugelegt.

In den vergangenen Tagen hatte es hingegen positive Konjunkturdaten aus den USA gegeben, vor allem zum Immobilienmarkt. Dies setzte den Euro an den Devisenmärkten unter Druck. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8682 US-Dollar fest, rund einen halben US-Cent niedriger als am Vortag.

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