Wirtschaft : Deutlich weniger Passagiere und Fracht bei der Lufthansa

Frankfurt (Main) (dpa).

Frankfurt (Main) (dpa). Bei der Lufthansa ist die Auslastung nach den Anschlägen vom 11. September drastisch eingebrochen. Für den vergangenen Monat weisen die Passagierzahlen mit rund vier Millionen ein Minus von 9,1 Prozent aus. Die Frachtmenge sank um 14,8 Prozent. Der Absatz ging um 9,4 Prozent auf 7,7 Milliarden verkaufte Sitzkilometer zurück. Betroffen waren vor allem die Verkehrsgebiete Amerika und Nahost/Afrika, wo zweistellige Rückgänge zu verzeichnen waren. Im asiatisch-pazifischen Raum konnte die Lufthansa dagegen ihre Passagierzahl um 5,9 Prozent und den Absatz um zwei Prozent steigern.

Bis zu den Terroranschlägen hat die deutsche Fluglinie der weltweiten Konjunkturflaute getrotzt. Insgesamt flogen in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 36 Millionen Passagiere mit den Fluggesellschaften des Konzerns, ein Plus von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Auslastung für Passage und Fracht war mit 67,7 Prozent um 4,2 Prozentpunkte allerdings geringer als im Vorjahr.

Normalerweise erzielt die Lufthansa im September und Oktober 74 Prozent ihres Jahresgewinns. Derzeit fehlt bei der Lufthansa nach eigenen Angaben aber jeder vierte Passagier. Um die geplante Auslastung zu erreichen, müsste nach den Worten von Vorstand Wolfgang Mayrhuber jedes vierte Flugzeug stillgelegt werden, die Personalkosten müssten um mehr als 20 Prozent sinken. Allein im vierten Quartal werden die Erlöse laut Mayrhuber bei anhaltend niedriger Nachfrage um 350 bis 500 Millionen Euro einbrechen.

Als Sofortmaßnahmen hat die Lufthansa insgesamt 28 Flugzeuge stillgelegt und wird bis Anfang November 51 Langstreckenflüge und 244 Kurz- und Mittelstreckenflüge pro Woche gestrichen haben. Hinzu kommen unter anderem ein Einstellungs- und Investitionsstopp. Mit den Gewerkschaften diskutiert die Konzernführung über weitergehende Schritte. Bei den Gesprächen, die noch in dieser Woche fortgesetzt werden sollen, ist auch die Vier-Tage-Woche bei entsprechendem Lohnverzicht ein Thema.

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie fordert indes angesichts der amerikanischen Hilfen für die Branche nach den Terroranschlägen vom 11. September nationale Förderprogramme in Europa. Europäische und US-Fluglinien benötigten gleiche Wettbewerbsbedingungen, argumentierte der Präsident des Branchenverbands BDLI, Gustav Humbert, am Montag in Berlin. Deshalb müssten die europäischen Regierungen ähnliche Hilfen anbieten.

Die Regierung in Washington hatte den Gesellschaften 15 Milliarden Dollar (16,6 Millarden Euro) zugesagt, nachdem diese als Folge der Anschläge erhebliche Passagierrückgänge verzeichnet hatten. Innerhalb der EU können direkte Staatsbeihilfen nicht gewährt werden, weil dies gegen das Gemeinschaftsrecht verstößt.

Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie argumentiert, der 11. September und seine Folgen habe die Lage der deutschen und europäischen Luftfahrt drastisch verändert. "Der drastische Rückgang der Fluggastzahlen hat tiefgreifende Auswirkungen auf die zivile Luftfahrt: Die gesamte Wertschöpfungskette - von Fluggesellschaften und Flughäfen über die Flugzeughersteller bis hin zu ihren Zulieferern aus der mittelständisch geprägten Ausrüstungs- und Werkstoffindustrie - ist ernstlich betroffen."

Neben Unterstützungsleistungen und Garantien sollten die Regierungen auch die Zusatzkosten für neue Sicherheitstechniken auf den Flughäfen und an Bord der Flieger übernehmen. Außerdem sollten auf nationaler und europäischer Ebene Fördermittel zur Terrorbekämpfung im Luftverkehr bereitgestellt werden.

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