Wirtschaft : Deutsch-Banker blicken zu Josef Ackermann auf

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Wenn die Deutsche Bank am Donnerstag ihre Zahlen vorlegt, ist dies nur ein "Tagesordnungspunkt" auf der angekündigten Pressekonferenz. Soviel ist bekannt: Die Deutsche Bank steht zwar im Vergleich zu ihren deutschen Konkurrenten gut da, aber den ausländischen Wettbewerbern hinkt sie weiter hinterher.

Analysten rechnen für das dritte Quartal mit einem Vorsteuer-Gewinn von 500 Millionen Euro. Das wäre zwar weniger als im dritten Quartal, aber mehr als nach den Terroranschlägen in den USA erwartet. Insgesamt käme die Deutsche Bank damit für 2001 auf einen Gewinn vor Steuern von 3,2 Milliarden Euro, rund halb so viel wie im Rekordjahr 2000.

Aber dieser massive Gewinneinbruch ist derzeit nur am Rande ein Thema. Eine neue Struktur treibt das Management der Bank um und sorgt für Unruhe unter den Mitarbeitern. Und ein Name: Josef Ackermann. Ackermann soll nach der Hauptversammlung am 22. Mai Rolf Breuer ablösen und wird vermutlich zum bislang mächtigsten Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Er leitet dann nicht nur den Vorstand, sondern auch das sogenannte Exekutiv Comitee, in dem sich die operative Macht der Bank ballt.

In Frankfurt macht man sich Sorgen, weil Ackermann angeblich zwar nicht den Sitz, aber noch mehr Führungskompetenz der Bank nach London verlagern will. Damit würde der Finanzplatz Frankfurt Schaden nehmen. Was der sympathisch und ruhig auftretende, nach innen aber als knallhart geltende Banker wirklich vorhat, weiß bislang nur die Führungsspitze der Bank, vor allem seine Mitstreiter Breuer und Aufsichtsratschef Hilmar Kopper. Ackermann selbst schweigt. Seit September 2000 als er offiziell zum Nachfolger von Breuer ernannt wurde. Kein Gespräch mit Journalisten, kein Interview. Das Verhalten ist abgesprochen mit Breuer und Kopper und entspricht den Gepflogenheiten bei der Deutschen Bank.

Der 53-jährige Schweizer aus Mels im Kanton Sankt Gallen steht für einen historischen Bruch an der Spitze der Bank. Mit dem Sprecher als "Primus inter Pares" ist es bei der Deutschen Bank vorbei. Für Ackermann ist eine starke Spitze mit klaren Verantwortlichkeiten unverzichtbar, wenn die Bank mit den Konkurrenten in den USA mithalten will. Die Bank müsse dringend Rendite und vor allem Börsenwert steigern, sonst drohe die Übernahme. Werde das nicht erreicht, so Ackermann in einer seiner wenigen Äußerungen im November des vergangenen Jahres, "bin ich nicht sicher, ob wir in zwei Jahren noch deutsch sprechen."

Der Schweizer ist zwar eingefleischter Investmentbanker und Chef dieser Sparte bei der Deutschen Bank. Sie steht für 60 Prozent des Gewinns. Gleichwohl weiß er, den sie in der Bank nur "Joe" nennen, sehr wohl um die Bedeutung des Geschäftes in Deutschland. "Deshalb war ein Umzug der Zentrale nach London nie ein Thema", sagt ein Banker. Ohnehin hat das Investmentbanking längst sein wichtigstes Standbein in London.

Seit fast sechs Jahren ist Ackermann jetzt bei der Deutschen Bank. Davor war der promovierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler zweiter Mann bei der Credit Suisse in Zürich, wo er das Investmentbanking weit nach vorne brachte. Ackermanns Bindungen an Frankfurt sind gleichwohl sehr lose. Nur ein Drittel seiner Zeit verbringt er am Main, wo er nur ein Appartement besitzt. Der Rest verteilt sich auf London und New York. Ackermanns Familie wohnt weiter in Zürich. Insofern macht sich die Banken-Gemeinde in Frankfurt Sorgen: Ackermann werde wohl kaum so für den Finanzplatz Frankfurt werben wie das Breuer getan hat. Zumal er in keinem wichtigen Gremium in Frankfurt vertreten ist, weder bei der Börse noch bei kulturellen Einrichtungen.

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