Wirtschaft : Deutsch-polnische Zusammenarbeit

Vattenfall will polnische und deutsche Töchter unter der Führung eines Finnen verbinden

Knut Krohn

Warschau – Die Einwohner von Warschau sind auf Vattenfall überaus gut zu sprechen. Manche Nase erinnert sich noch zu genau an die zweifelhafte Qualität der Luft, bevor der schwedische Energieriese das Heizkraftwerk am Stadtrand übernahm, das die Millionenmetropole mit Wärme versorgt. Um 40 Prozent ist die Schadstoffbelastung gesunken, seit Vattenfall Geld in die Modernisierung des Werkes steckt. Zudem tut der Konzern vieles mehr, um in Warschau positiv in Erinnerung zu bleiben. So sponsert er zu Weihnachten die festliche Beleuchtung über der schicken Flaniermeile Nowy Swiat in der Stadtmitte.

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall, seit 1992 auf dem polnischen Markt aktiv, ist größter ausländischer Investor und inzwischen das viertgrößte Privatunternehmen im Energiesektor in Polen. Der Chef der polnischen Vattenfall, Tuomo Hatakka, soll die polnische mit der deutschen Vattenfall-Gruppe enger zusammenführen und künftig leiten. Ein entsprechender Beschluss der deutschen Vattenfall Europe AG Berlin, wird auf der Aufsichtsratssitzung am 7. Dezember erwartet.

Eine der weitreichendsten Investitionen von Vattenfall in Polen war vor sieben Jahren der Einstieg bei dem Kraftwerk in Warschau. Es war die erste große Privatisierung. Heute besitzen die Schweden 74 Prozent an der Vattenfall Heat Poland S.A. mit mehr als 1000 Mitarbeitern. Lars Göran Josefsson, Vorstandsvorsitzender der schwedischen Vattenfall AB, hatte immer wieder betont, dass sehr viel Geld investiert werde, um das Werk den Umwelt-Normen der EU anzupassen. Dabei profitiere man vor allem von dem in Deutschland gewonnenen Know-how in der Kohle- Verstromung. Die deutsche Vattenfall verarbeitet Braunkohle aus der Lausitz.

Wie in Deutschland ist Vattenfall in Polen nicht nur Produzent, sondern auch Energieversorger. In den Ausbau des polnischen Versorgungsnetzes wurde stetig investiert. Vor einigen Jahren schließlich übernahm der Konzern einen Regionalversorger in Schlesien und konnte sich somit in ganz Polen einen Marktanteil von zwölf Prozent sichern.

Unerwartete Probleme gab es allerdings jüngst bei der Liberalisierung des Strommarktes. Seit dem 1. Juli 2007 können fast zwei Millionen gewerbliche Abnehmer ihren Strom auf dem freien Mark beziehen. Allerdings läuft nach Angaben der privaten Energieanbieter der Übergang recht schleppend, da sich die Kunden nur schwer von ihrem bisherigen, staatlichen Versorger trennen. Dieses Verhalten ist bekannt aus anderen Märkten, auch aus Deutschland. Hinzu kommt, dass Abnehmer bei einem Wechsel des Anbieters eine präzise Prognose der benötigten Energiemenge vorlegen müssen. Zudem müssten spezielle Messapparaturen installiert werden, die eine Fernablesung ermöglichen.

Während die Privatisierung des Strommarktes in Polen vorerst also nicht den erwünschten Verlauf nimmt, baut Vattenfall seine Stellung als Investor auf einem anderen Gebiet aus. In Nordpolen wird ein großer Windenergiepark aufgebaut, an dem sich der Konzern beteiligt. Konzernchef Josefsson ist zwar Anhänger der Kernenergie, aber auch Förderer von erneuerbaren Energien, vor allem der Windkraft. Knut Krohn

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