Wirtschaft : Deutsch-russische Freundschaft

Der Essener Energiekonzern RWE will mit Gazprom neue fossile Kraftwerke bauen – auch in Deutschland

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Endstation Moskau. Der angeschlagene RWE-Konzern braucht Gas und Geld aus der Gazprom-Zentrale. Gazprom braucht die deutschen Kunden. Foto: dpa
Endstation Moskau. Der angeschlagene RWE-Konzern braucht Gas und Geld aus der Gazprom-Zentrale. Gazprom braucht die deutschen...Foto: dpa

Berlin - Es ging plötzlich viel schneller, als Beobachter der oft behäbigen Energieindustrie erwarten konnten: Weniger als eine Woche nach einem persönlichen Treffen von RWE-Chef Jürgen Großmann mit Gazprom-Chef Alexej Miller in Paris unterzeichneten die beiden Manager am Donnerstag in Rom eine Absichtserklärung über eine weitreichende Zusammenarbeit. Ziel sei eine „strategische Partnerschaft in der europäischen Kraftwerkswirtschaft“, teilte der Essener RWE-Konzern mit. Beide Seiten wollen in den kommenden Monaten exklusiv miteinander über die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens verhandeln, das Steinkohle- und Gaskraftwerke betreiben soll – in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Ländern.

Für den RWE-Konzern, der auch wegen des von der Politik beschlossenen Atomausstieges in den vergangenen Monaten rund 13 Milliarden Euro an Börsenwert verloren hat, wäre eine enge Kooperation eine Befreiung: Der russische Gasmonopolist hat Geld und kann RWE Gas zu günstigen Konditionen liefern, ohne die der Betrieb oder gar Neubau von Gaskraftwerken im großen Stil kaum rentabel wäre. „Wenn dieses Memorandum of Understanding umgesetzt wird, kann es eine sichere und wettbewerbsfähige Gasversorgung für RWE garantieren“, teilte Großmann in einer schriftlichen Erklärung mit. Außerdem könne das Abkommen die Basis für Partnerschaften bei Kohle- und Gaskraftwerken inner- und außerhalb Deutschlands werden und somit für beide Seiten zu erfolgreichen Wachstumsoptionen führen, sagte der Manager.

Der Gazprom-Konzern, der vom russischen Staat kontrolliert wird, könnte eine enge Kooperation mit der Nummer zwei auf dem deutschen Energiemarkt helfen, Lücken in der Wertschöpfungskette zu schließen. Bisher beschränkte sich Gazprom darauf, das Gas aus der Erde zu holen und es über Pipelines zu Großhandelsgesellschaften zu transportieren. Mit der Hilfe von RWE könnte Gazprom auch selbst zum Gashändler im Endkundengeschäft werden, wo sich höhere Margen erzielen lassen. Zudem hätten die Russen, die stets an langfristigen Lieferverträgen interessiert sind, einen Abnehmer in Deutschland auf viele weitere Jahre.

Zunächst geht es offenbar jedoch darum, von der Krise zu profitieren, in die die Politik die größten Energiekonzerne mit der plötzlichen Energiewende gebracht hat. „Angesichts der jüngsten Entscheidung der deutschen Regierung zum Ausstieg aus der Kernenergie sehen wir gute Chancen für den Bau neuer, moderner Gaskraftwerke in Deutschland“, sagte Gazprom-Chef Miller.

Offen bleib zunächst, wie genau die beiden Konzerne kooperieren wollen. Das wird erst verhandelt. Andreas Mundt, Chef des Bundeskartellamtes, hatte bereits nach Bekanntwerden der ersten Gespräche Anfang der Woche gesagt, eine Verbindung der Unternehmen „müsste man sich unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten sehr genau ansehen“.

RWE gab ebenfalls am Donnerstag bekannt, dass der Konzern knapp drei Viertel der Anteile an seiner Stromnetztochter Amprion an eine Gruppe Finanzinvestoren verkauft hat, angeführt von einer Commerzbank-Tochter. Der Wert von Amprion wurde zuletzt auf 1,3 Milliarden Euro taxiert. Das sei Basis für den Kaufpreis, hieß es bei RWE.

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