Wirtschaft : Deutsch-russischer Handel: Russland erholt sich von der Finanzkrise

eba

Der deutsch-russische Handel kommt langsam wieder in Schwung. Für das laufende Jahr rechnet die deutsche Wirtschaft mit einem Handelsvolumen von 34 Milliarden Mark. Nachdem der bilaterale Warenverkehr nach der Finanzkrise 1998 auf 29,6 Milliarden Mark gesunken war, sei die Talsohle nun durchschritten. Dies berichtete die Delegierte der deutschen Wirtschaft in Moskau, Andrea von Knoop, am Montag auf dem Wirtschaftstag des Deutschen Industrie- und Handelstages in Berlin.

Besonders zuversichtlich zeigte sich Knoop hinsichtlich der deutschen Exporte und Investitionen in Russland. Während sich die deutschen Ausfuhren 1999 nur auf knapp 9,9 Millarden Mark beliefen, rechnet die deutsche Wirtschaft für dieses Jahr mit einem Exportvolumen von 11,9 Milliarden Mark. Insbesondere die Reformpolitik von Präsident Wladimir Putin steigere das Vertrauen ausländischer Investoren erheblich. So bemühe sich Putin, die Steuerreform voranzubringen und Korruption und Behördenwillkür einzudämmen. Denn gerade die weit verbreitete Korruption verhindere immer noch eine reibungslose Zusammenarbeit deutscher Investoren und Geschäftsleute mit ihren russischen Partnern. Zudem werde die für nächstes Jahr geplante Zollreform den Handel ankurbeln.

Die russischen Exporte in die Bundesrepublik würden hingegen aller Voraussicht nach mit 22 Milliarden Mark dieses Jahr die Importe übersteigen. Der Grund ist die abwertungsbedingte mangelnde Importbereitschaft der russichen Bevölkerung, die auf dem lange Zeit schwachen Rubel beruht. Daher nehmen immer mehr deutsche mittelständische Unternehmen, besonders im Massenkonsumgüterbereich, die Chance wahr, ihre Kosten durch die Errichtung von Produktionsstätten in Russland zu senken, erklärte Knoop.

Besonders profitiere die russische Wirtschaft derzeit von dem hohen Ölpreis, sagte Knoop. So konnte Russland im ersten Halbjahr seinen Aussenhandelsüberschuss von 12,5 Milliarden Mark auf bereits 57,5 Milliarden Mark steigern. Der Staatshaushalt habe einen Überschuss von 17,3 Milliarden Mark erzielt. Die russische Zentralbank konnte dank der Petro-Dollar-Schwemme ihre Gold- und Devisenreserven auf inzwischen 25 Milliarden Mark aufbessern. Positiv wirkt sich auch die derzeitige Stabilität des Rubels aus, der sich seit einem halben Jahr zwischen 27,5 und 27,8 Rubel zum US-Dollar hält.

Nach der schweren Finanzkrise 1998 konnte Russland nach Knoops Angaben erstmals wieder mit 3,2 Prozent ein positives Wachstum verzeichnen. Dank des hohen Ölpreises werde auch für das laufende Jahr ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 5,5 Prozent erwartet.

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