Deutsche Anleger : Keine Angst ums Geld

Die Diskussion um die Milliardenhilfen für das vom Bankrott bedrohte Griechenland belastet weiter die Märkte. Doch trotz der dramatischen Lage müssen deutsche Anleger sich derzeit keine Sorgen um ihr Erspartes machen.

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Berlin – Am Dienstag stieg der von Investoren geforderte Risikoaufschlag für griechische Anleihen weiter an, der Kurs des Euro sank erneut. Zudem teilte die griechische Zentralbank mit, dass die griechische Wirtschaft in diesem Jahr um mehr als zwei Prozent schrumpfen könnte. Trotz der dramatischen Lage müssen deutsche Anleger sich derzeit keine Sorgen um ihr Erspartes machen.

Bei klassischen privaten Lebens- und Rentenversicherungen besteht nach Angaben des Bundes der Versicherten (BdV) zunächst kein Grund zur Sorge. „Kurzfristig wird die Krise in Griechenland keine Auswirkungen auf die Verträge haben, mit Zahlungsschwierigkeiten ist nicht zu rechnen“, sagte BdV-Vorstand Thorsten Rudnik. Denn bei den klassischen Renten- und Lebensversicherungen gibt es sogenannte garantierte Leistungen, die ausgezahlt werden müssen. Sie entsprechen den über die gesamte Laufzeit eingezahlten Beiträgen plus einer Rendite von im Schnitt etwa einem Prozent. Dazu kommt ein Aufschlag, die sogenannte Überschussbeteiligung. Sie wird jährlich neu berechnet und richtet sich nach den Entwicklungen am Kapitalmarkt. „Die Höhe der Überschussbeteiligung kann langfristig negativ von der Griechenland-Krise beeinflusst werden“, sagte Rudnik.

Zwar legen alle privaten Versicherer am Kapitalmarkt an, bei den klassischen Lebens- und Rentenversicherungen muss aber ein Anteil von mindestens 65 Prozent in festverzinsliche Wertpapiere wie etwa Staatsanleihen investiert werden. Die deutschen Versicherer halten jedoch nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nur wenige griechische Schuldtitel. „Das Engagement der deutschen Versicherer in Griechenland liegt bei weniger als einem Prozent unserer gesamten Kapitalanlagen“, sagte eine GDV-Sprecherin. Für die Versicherten sehe man daher derzeit keine Auswirkungen aus der Griechenland- Krise.

Fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen bergen ein größeres Risiko, die Versicherer können die Beiträge völlig frei anlegen. „Es gibt keine Auszahlungsgarantie. Deshalb können diese Verträge stärker von der Griechenland-Krise beeinflusst werden als klassische Versicherungen“, sagte Rudnik.

Auch bei den Rentenfonds, das sind Investmentfonds, die ihr Geld überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen stecken, sind die Risiken laut Finanztest-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen derzeit überschaubar. „Für deutsche Anleger gibt es kurzfristig keinen Grund zur Sorge“. Griechenland habe an den meisten Fonds einen Anteil zwischen fünf und zehn Prozent. „Wer seine Fonds und Anleihen hält, hat derzeit kein Problem“, sagte Tenhagen.

Das bestätigt auch Jan Gengel, Portfolio-Manager bei der Berliner Weberbank. Zwar müssten die Fonds jetzt teilweise bis zu ein Prozent ihres Vermögens abschreiben, weil die Kurse für griechische Staatsanleihen sinken. Langfristig aber würden sie sich wieder erholen, glaubt der Experte. „Was wir jetzt sehen, ist eine Übertreibungsphase der Märkte. Das wird sich wieder beruhigen, wenn Klarheit darüber herrscht, was mit Griechenland passiert.“ Schwierig, da sind sich die Experten einig, werde es erst, wenn Griechenland nicht zurückzahlen könne.

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