Wirtschaft : Deutsche Aufsichtsräte mangelhaft

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Düsseldorf - Die Qualität deutscher Aufsichtsräte bleibt hinter internationalen Standards zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Personalberatung Heidrick & Struggles unter 320 Top-Unternehmen aus elf europäischen Ländern, die dem Handelsblatt vorliegt. Durch diese Studie kommt neue Bewegung in die aktuelle Diskussion über Corporate Governance in Deutschland.

Heidrick & Struggles bescheinigt den deutschen Aufsichtsräten generell mangelhafte Unabhängigkeit, geringe Internationalisierung und vergleichsweise niedrige Arbeitsintensität. Die Dax-30-Konzerne erreichen im internationalen Vergleich nur 72 Prozent der maximalen Punktzahl und landen damit auf dem letzten Platz. Sieger in dem Ranking sind die Unternehmen aus Großbritannien (92 Prozent), gefolgt von den Niederlanden.

Nach der Studie konnte Deutschland die Professionalität seiner Aufsichtsräte im Laufe der vergangenen Jahre zwar deutlich steigern. Die Standards seien „kontinuierlich besser geworden“, sagt Heidrick & Struggles-Partner Stefan Fischhuber. Der Nachholbedarf sei in Deutschland aber weiterhin groß. So treffen sich deutsche Aufsichtsräte durchschnittlich nur 4,4-mal im Jahr, der Schnitt in Europa liegt laut Studie bei 8,7 Sitzungen. Die Dax-30-Konzerne verfügen fast ausschließlich über 20-köpfige Aufsichtsräte. Diese Größe erschwere Effizienz und führe damit zu einer niedrigen Punktewertung.

Defizite sieht die Studie in Deutschland zudem in Sachen Globalisierung der Aufsichtsräte. Deutsche Kontrollgremien, sagt Fischhuber, „bewegen sich im nationalen Saft“, da kaum Ausländer vertreten sind. In der Schweiz sind die Aufsichtsräte dagegen zu 45 Prozent international besetzt. Auch die Niederlande (36 Prozent) und Großbritannien (31 Prozent) schneiden relativ gut ab. fo (HB)

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