Deutsche Autobauer : Volldampf in den USA

Die deutschen Premiumhersteller rüsten auf dem amerikanischen Automarkt auf: Mercedes investiert 1,4 Milliarden Euro in sein US-Werk – auch Audi, VW und BMW expandieren.

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Aufbau West. In dem seit 1997 produzierenden Mercedes-Werk in Tuscaloosa werden Geländewagen der M-, GL- und R-Klasse gebaut. 2800 Mitarbeiter sind hier beschäftigt.
Aufbau West. In dem seit 1997 produzierenden Mercedes-Werk in Tuscaloosa werden Geländewagen der M-, GL- und R-Klasse gebaut. 2800...Foto: picture alliance / ZUMAPRESS

Berlin - Die deutschen Premiumhersteller rüsten auf dem amerikanischen Automarkt auf. Daimler kündigte am Donnerstag an, gut 1,4 Milliarden Euro in den Ausbau seines Mercedes-Werks in den USA zu investieren. Auch der Wettbewerber Audi, der noch keine eigene Produktion in Übersee hat, will offenbar in Mexiko ein Werk bauen, das künftig den US-Markt beliefern soll. Audis Konzernmutter Volkswagen hatte kürzlich ein neues Werk in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee eröffnet. Zusätzlich baut VW ein Motorenwerk in Mexiko. BMW produziert seit der Erweiterung seines US-Werks in Spartanburg inzwischen mehr Autos in den USA als am Stammsitz München. Über Pläne der Konzernspitze, ein weiteres Werk in Mexiko oder im Süden der USA zu bauen, wird schon länger spekuliert.

„Tuscaloosa war der erste Produktionsstandort von Mercedes-Benz-Cars außerhalb Deutschlands und gehört heute zu unseren erfolgreichsten“, teilte Daimler- Chef Dieter Zetsche am Donnerstag mit. In dem seit 1997 produzierenden Werk, werden Geländewagen der M-, GL- und R-Klasse gebaut. 2010 liefen mehr als 125 000 Autos vom Band, rund 2800 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Von 2014 an wird in Tuscaloosa außerdem die Nachfolge-Generation der C-Klasse für den nordamerikanischen Markt produziert.

Die deutschen Hersteller bauen immer mehr Produktionskapazität auf dem amerikanischen Kontinent auf, um den – neben China – wichtigsten Automarkt der Welt schneller und kostengünstiger bedienen zu können. Mit der lokalen Fertigung vermeiden sie außerdem Wechselkursschwankungen und teure Zölle. Und: Stammen mehr als 60 Prozent der verbauten Fahrzeugkomponenten aus den USA, ist der Vertrieb in den Nafta-Staaten USA, Mexiko und Kanada günstiger.

Dafür nehmen die Konzerne in Kauf, dass sie ihrer Autos preiswerter als in Europa anbieten müssen, weil das Preisniveau für Neuwagen in den USA insgesamt niedriger ist. Das drückt die Marge. Doch die Strategie hat Erfolg: Der Marktanteil deutscher Autos in den USA ist seit Jahresbeginn im Pkw-Bereich auf 11,3 Prozent geklettert.

DAIMLER AG]Audi will nach Angaben eines Sprechers bis spätestens 2015 über eine eigene Produktion in Nordamerika entscheiden. Doch der Zeitdruck könnte angesichts der großen Nachfrage steigen. Audi-Chef Rupert Stadler soll nach einem Bericht des „Manager Magazins“ ein eigenes Werk südlich des Rio Grande in Mexiko favorisieren, wo der Geländewagen Q5 produziert werden soll – statt im neuen VW-Werk in Chattanooga unterzuschlüpfen. Ob er sich mit diesem Plan im VW-Vorstand durchsetzen kann, ist aber unklar. Bei VW soll es etliche Mitglieder des Topmanagements geben, die eine Audi-Produktion im US-Werk besser fänden – weil sich Audi ohnehin aus dem Volkswagen-Baukasten bedient.

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