Wirtschaft : Deutsche Autohersteller streiten sich über CO2

BMW strebt Kompromisse mit Franzosen und Italienern an, VW und Daimler wollen hart bleiben

Brüssel/Frankfurt am Main - In den Verhandlungen um verbindliche EU- Grenzwerte für den Kohlendioxidausstoß von Personenwagen zeigen sich Unstimmigkeiten zwischen den deutschen Automobilherstellern. Nach Informationen aus Branchenkreisen ist sich BMW uneins mit VW und Daimler-Chrysler über die Position im Streit mit Franzosen und Italienern über die Lastenverteilung. Der europäische Autoverband Acea steht damit am Freitag kommender Woche vor einer kontroversen Generalversammlung. Geplant ist, dass sich die Vorstandschefs der europäischen Hersteller bei dem Treffen auf eine gemeinsame Linie gegenüber den Klimaschutzplänen der EU-Kommission verständigen. Dies droht nun zu misslingen.

Die EU will die Autokonzerne verpflichten, den CO2-Ausstoß neuer Pkw bis 2012 auf durchschnittlich 130 Gramm pro Kilometer zu reduzieren. Weitere zehn Gramm sollen durch verbesserte Kraftstoffe und Reifen abgebaut werden. Zur Zeit liegt der durchschnittliche Emissionswert bei 160 Gramm. Die schärferen Umweltauflagen treffen besonders die deutschen Premiummarken, da ihre Modelle meist stärker motorisiert und größer sind als die der französischen und italienischen Autobauer. Details der Regelung sind allerdings noch ungeklärt. Während die deutschen Autokonzerne die Auflagen nach Größenklassen der Fahrzeuge differenzieren wollen, fordern Franzosen und Italiener die gleichen Grenzwerte für jeden Hersteller.

VW und Daimler drängen laut Branchenkreisen auf einen harten Kurs. BMW dagegen plädiere für einen raschen Kompromiss unter Europas Autokonzernen, um die geplanten Klimaschutzmaßnahmen der EU besser abwehren zu können.

Der Streit um die Verteilung der Lasten des Klimaschutzes unter den Autoherstellern spaltet auch die Regierungen der EU-Staaten. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) räumte am Rande einer Veranstaltung des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA) scharfe Differenzen im EU-Wettbewerbsfähigkeitsrat vergangene Woche in Brüssel ein. Dort hatten die Minister der 27 EU-Mitglieder über die Autoindustrie und die Pläne der Brüsseler Kommission zu den CO2-Grenzwerten diskutiert.

Glos scheiterte an dem Vorhaben, seine Kollegen auf differenzierte Grenzwerte einzuschwören, an dem Widerstand Frankreichs, Italiens, Spaniens und Rumäniens. Die vier Länder bauen kleinere Autos und pochen auf einen einheitlichen Wert.

Die Kommission will ihren Richtlinienentwurf zum CO2-Ausstoß von Autos spätestens Anfang 2008 vorlegen. Industriekommissar Günter Verheugen betonte vorige Woche, dabei würden auf jeden Fall die Grenzwerte nach Größenklassen differenziert. Federführend ist jedoch Umweltkommissar Stavros Dimas, der sich bisher nicht so eindeutig geäußert hat.

Hintergrund des gesetzlichen Vorgehens der EU ist eine nicht eingehaltene Selbstverpflichtung der Automobilindustrie zum Klimaschutz. Sie hatte sich verpflichtet, bis 2008 den CO2-Ausstoß auf 140 Gramm pro Kilometer im Branchendurchschnitt zu reduzieren. Dies ist wegen des Trends zu immer schwereren und leistungsstärkeren Autos in weite Ferne gerückt. huh/hz/fas (HB)

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