Deutsche Automarken : Rote Zahlen in der Luxusklasse

Die deutschen Autobauer Mercedes und Porsche schreiben tiefrote Zahlen. Daimlers Pkw-Absatz stabilisiert sich allerdings langsam. Der Sportwagenbauer Porsche muss den VW-Deal verkraften.

Henrik Mortsiefer
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Flaute im Autohaus. Mercedes verkauft im zweiten Quartal mehr als im ersten, aber 66 800 Autos weniger als 2008. -Foto: Keystone

Berlin/Stuttgart - Die deutschen Luxusmarken Mercedes und Porsche schreiben tiefrote Zahlen. Während sich die Verkaufszahlen für das Aushängeschild des Daimler-Konzerns aber allmählich stabilisieren, stürzt Porsche ab. Zum ersten Mal nach jahrelangen Milliardengewinnen rutscht der vor der Eingliederung in den VW-Konzern stehende Autobauer in die Verlustzone.

Daimler verkaufte zwischen April und Juni von den Marken Mercedes, Smart und Maybach 287 200 Fahrzeuge. Das waren 66 800 weniger als im gleichen Zeitraum 2008. Fuhr die Premiummarke im Vorjahr operativ noch 1,2 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern ein, war es zuletzt ein Verlust von 340 Millionen Euro. Rechnet man Pkw, Lkw, Busse und Vans von Daimler zusammen, setzte das Unternehmen im zweiten Quartal 391 500 Fahrzeuge ab – 31 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2008.

Trotz dieser Minusbilanz reagierten Analysten und Anleger am Mittwoch fast euphorisch auf die Quartalszahlen von Daimler. Sie hatten einen noch deutlich höheren operativen Quartalsverlust von rund 1,5 Milliarden Euro befürchtet. Tatsächlich lag er bei einer Milliarde Euro.

Gemessen an den Monaten Januar, Februar und März zeichnet sich allmählich eine Stabilisierung in den Absatzzahlen ab. Immerhin verringerte Daimler den Verlust (Ebit) von 1,42 Milliarden Euro im ersten Quartal auf nun 401 Millionen Euro. So verkaufte auch die Mercedes Car Group deutlich mehr als im Vorquartal. Im zweiten Halbjahr will Daimler insgesamt mehr absetzen als im ersten. Das gilt auch für die Lkw-Sparte, die wie Mercedes in den roten Zahlen steckt.

„Die Sparmaßnahmen von vier Milliarden Euro im Jahr 2009 sind ein wichtiger Schritt, um den Konzern durch die weltweite Wirtschaftskrise zu bringen“, kommentierte Autoanalyst Frank Schwope die Zahlen. Die Hälfte des Betrags entfällt auf Personalkosten. „Unsere Maßnahmen greifen“, hatte auch Daimler- Chef Dieter Zetsche zuvor gesagt. Ein Vergleich mit dem sehr guten Vorjahresquartal mache aber deutlich, „welche Hausaufgaben noch vor uns liegen“.

Bei Porsche ist die Lage ungleich dramatischer. Die Porsche Holding erwartet im Geschäftsjahr 2008/2009 (31. Juli) einen Vorsteuerverlust von bis zu fünf Milliarden Euro. Allerdings versuchte Porsche am Mittwoch nach einer Aufsichtsratssitzung zu beruhigen: das Minus habe vor allem buchhalterische Gründe. Es sei eine Folge des geplanten Verkaufs von Optionen auf VW-Aktien, bei denen ein erheblicher buchmäßiger Veräußerungsverlust zu erwarten sei. Weitere Belastungen des Ergebnisses würden sich als Folge der erstmaligen Vollkonsolidierung – also der vollständigen Einbeziehung von Porsche in den Konzernabschluss von VW – ergeben. Über den Verkauf der VW-Aktienoptionen verhandelt Porsche seit längerem mit dem Emirat Katar und anderen möglichen Investoren.

Der geplante Verkauf des Optionenpakets verbessert die Finanzlage von Porsche. Dem Unternehmen fließen nach eigenen Angaben Barmittel in Höhe von rund einer Milliarde Euro zu. Derzeit sind diese Mittel als Sicherheit hinterlegt.

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