Wirtschaft : Deutsche BA sagt Lufthansa den Kampf an

Beschwerdebrief an EU-Wettbewerbskommissar van Miert / Kommission soll Tarifgestaltung untersuchen BERLIN (mo).Die Deutsche BA will den Preiswettbewerb ihres Hauptkonkurrenten Lufthansa nicht länger kommentar- und tatenlos hinnehmen.In einem persönlichen Brief hat sich der Geschäftsführer der Deutschen BA, Carl Michel, an den EU-Wettbewerbskommissar Karel van Miert gewandt; dem zuständigen leitenden Regierungsdirektor im Bundeskartellamt, Hans Joachim Matschuck, wurde eine Kopie des Briefes übermittelt.Unter Bezug auf Artikel 86 des EG-Vertrages, der den Mißbrauch einer den Markt beherrschenden Stellung untersagt, wirft Michel Lufthansa vor, durch Preisdumping auf der Strecke Frankfurt(Main)/München den fairen Wettbewerb zu behindern.Noch bevor die Deutsche BA die Route Ende November in ihr Programm aufnahm, habe Lufthansa die Preise im Schnitt um 30 Prozent gesenkt.Seit Oktober kostet der billigste, aber konditionierte Lufthansa-Flug auf der Strecke 198 DM für den Hin- und Rückflug und ohne Gebühren - nach 260 DM vor dem 30.September.Seit 30.Oktober gibt es neu ein Hin- und Rückflugticket zu 298 DM, der Einzelflug kostet - wie der Einstiegstarif der Deutschen BA - 149 DM. Wie Michel gegenüber dem Tagesspiegel erklärte, erwarte man von der Brüsseler Wettbewerbsbehörde, daß die Preisgestaltung von Lufthansa vollständig und mit Blick auf die tatsächliche Kostenstruktur untersucht werde.Lufthansa hindere die Mitbewerber daran, Marktanteile zurückzugewinnen.Auch sei bekannt, daß sich Lufthansa im Falle einer Überbuchung weigert, Passagieren Tickets der Deutschen BA auszustellen.Dies sei rechtlich nicht in Ordnung. In einer ersten Stellungnahme kritisierte Lufthansa-Sprecher Josef Grendel das Vorgehen der Deutschen BA.Offenbar versuche die Deutsche BA, an der British Airways maßgeblich beteiligt ist, "die Kartellbehörden zu instrumentalisieren, um sich Wettbewerbsvorteile zu beschaffen, die sie auf Grund ihrer verworrenen Preispolitik im Markt nicht erzielen kann." Lufthansa-Sprecher Christian Klick erklärte auf Anfrage, man könne nicht nachvollziehen, daß die Deutsche BA noch vor einem halben Jahr wiederholt in aller Öffentlichkeit und in mehreren Briefen Lufthansa überhöhte Tarifgestaltung vorgehalten habe.Nun, da man sich an die Gegebenheiten auf einem deregulierten Markt anpasse, und dort, wo dies betriebswirtschaftlich vertretbar sei, Kostenvorteile an die Kunden weitergebe, seien die Preise plötzlich zu niedrig. Vor allem aber stellt sich angesichts der aktuellen Diskussin über eine angemessene Flugpreisgestaltung die Frage, inwieweit die Deutsche BA dem Rechnung trägt.Bekanntlich schreibt auch der deutsche Ableger der British Airways auf den innerdeutschen Flugrouten keine schwarzen Zahlen; sondern profitiert von der Londoner Mutter.Die Deutsche BA ging 1992 in Deutschland an den Start.Sie beschäftigt 800 Mitarbeiter, davon 490 als Flugpersonal.Die Gesellschaft mit Sitz in München bedient heute acht innerdeutsche Strecken und zwei internationale Routen nach London.Die Strecke Frankfurt(Main)/München, um die sich die Fluggesellschaft über zwei Jahre bemüht hatte, wurde erstmals am 24.November bedient.Täglich fliegt die Deutsche BA achtmal die Route, zu attraktiven Zeiten, wie Stafanie Koall von der Deutschen BA betont.Die Aufnahme der neuen Route hatte die Deutsche BA am 1.Oktober angekündigt.Bereits im Vorgriff darauf, so Koall, habe Lufthansa die deutliche Tarifsenkung in Aussicht gestellt.Bei Lufthansa hieß es dazu, man habe sich zu diesem Schritt sehr viel früher entschlossen und zwar ohne jeden Bezug auf die Tarifgestaltung des neuen Konkurrenten. Den Sondertarif der Deutschen BA für die einfache Strecke von Frankfurt(Main) nach München von 149 DM ohne Gebühren reduzierte die Deutsche BA jetzt mit Wirkung vom 13.Dezember bis zum 1.März 1998 auf 99 DM - dabei handelt es sich um einen begrenzt flexiblen Sondertarif mit einer Vorausbuchungsfrist von drei Tagen. Erst vor kurzem hatte das Berliner Kammergericht, in einem anhängigen Verfahren gegen Marktmißbrauch durch die Lufthansa auf der Route Berlin/Frankfurt(Main), die nur von Lufthansa und Eurowings bedient wird, eine Entscheidung zugunsten Lufthansa getroffen.Anders als nun in der Auseinandersetzung mit der Deutschen BA geht es in dem Rechtsstreit zwischen Kartellamt und Lufthansa darum, daß dem Nationalcarrier eine überhöhte Tarifgestaltung vorgehalten wird.In erster Instanz sprachen sich die Richter gegen die durch das Kartellamt erfolgte Untersagungsverfügung aus.Lufthansa hatte argumentiert, daß man auf einer nachweislich nicht kostendeckenden Route nicht zu weiteren Preiszugeständnissen gezwungen werden kann.

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