Wirtschaft : Deutsche BA wirbt um Geschäftsreisende

Neue Tarife, mehr Auslandsflüge, mehr Maschinen: So will der neue Eigentümer Wöhrl die Fluglinie retten

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München (nad). Mit neuen Tarifen für Geschäftsreisende will die defizitäre Deutsche BA (DBA) ihrem größten Konkurrenten Lufthansa Passagiere abjagen. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft führt dafür ein eigenes „BusinessTicket“ ein, das besondere Vorteile bietet. Das kündigte der neue DBA-Besitzer, Hans Rudolf Wöhrl, am Mittwoch in München an. Zudem will er die Kosten radikal senken, um bereits im nächsten Jahr in die schwarzen Zahlen zu kommen.

„Im Laufe der nächsten Monate muss die Deutsche BA gewaltige Kraftanstrengungen unternehmen, um ihre Krise zu überwinden und vom Anhängsel einer großen Luftfahrtgesellschaft zu einem erfolgreichen, eigenständigen Unternehmen zu werden“, sagte Wöhrl am Mittwoch in München. Der fränkische Textilunternehmer und Luftfahrtfan hatte die DBA vor einigen Wochen zum symbolischen Preis von einem Euro übernommen und damit vor dem Aus bewahrt. Zuvor waren Verhandlungen der Muttergesellschaft British Airways mit dem britischen Billiganbieter Easyjet gescheitert.

Wöhrl will sich von dem erst vor zwei Jahren eingeführten Konzept als Billigflieger teilweise wieder verabschieden und künftig Geschäftsreisende stärker in den Mittelpunkt stellen. „Ohne einen höheren Anteil an Geschäftsreisenden werden wir auf Dauer nicht profitabel sein können“, sagte er. Mit dem ab sofort geltenden Business-Ticket können Geschäftsreisende für 175 Euro pro Strecke zuzüglich Steuern und Gebühren reisen. Das Ticket ist kostenlos umbuchbar und wird bei Nicht-Nutzung voll erstattet.

40 Millionen Euro Verlust erwartet

Neu im Programm ist auch ein Spartarif für 25 Euro, der über das Internet gebucht werden kann, und für den es auf allen Flügen Kontingente geben soll – zuvor war dieser günstigste Tarif nur auf einzelnen Strecken buchbar gewesen, sozusagen als Lockvogelangebot. Ab August sollen zudem Schnäppchenjäger über eine Tarifsuchmaschine im Internet nach den billigsten Angeboten suchen können. Um die Produktivität der Fluglinie zu steigern, will Wöhrl das innerdeutsche Angebot optimieren und weitere Auslandsstrecken ins Programm aufnehmen. Innerdeutsch sei beispielsweise an die Strecke Hamburg-Stuttgart gedacht; zudem soll es pro Verbindung mehr Flüge täglich geben. Im Ausland, wo die DBA bisher nur Nizza, Malaga und Venedig anfliegt, soll es nach dem Willen Wöhrls bereits im Winterflugplan eine Verbindung nach London geben. Mittelfristig seien auch weitere Flüge nach Frankreich – zum Beispiel nach Paris, Marseille und Lyon – sowie nach Osteuropa geplant.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Wöhrl nach dem ursprünglich erwarteten Verlust von 60 bis 80 Millionen Euro nur noch mit einem Minus von 35 bis 40 Millionen Euro. Der Umsatz werde sich etwa auf 300 Millionen Euro belaufen. „Das gibt uns genügend Luft, um im nächsten Jahr den Turnaround zu schaffen“, sagte er überzeugt. Bis dahin will Wöhrl die Flotte von 16 Flugzeugen um bis zu vier Maschinen aufstocken und die Zahl der Passagiere von 3,1 auf 3,3 Millionen erhöhen. Falls der Turnaround nicht gelinge, sei es nicht ausgeschlossen, dass er „das Abenteuer DBA“ beende.

Die Mitarbeiter der Fluglinie hatten sich bereit erklärt, im laufenden Jahr auf 20 Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Im Gegenzug erhält das fliegende Personal eine Arbeitsplatzgarantie für diesen Zeitraum. Beim Bodenpersonal sollen dennoch bis zu 50 Stellen wegfallen. Derzeit hat die DBA 800 Mitarbeiter, davon arbeiten 500 in der Luft und 300 am Boden. Die Sparrunde beim Gehalt soll nach Wöhrls Worten eine Ersparnis von zehn Millionen Euro bringen. Weiteres Einsparpotenzial sieht Wöhrl in der Vereinfachung der Infrastruktur und bei der Finanzierung der Flugzeuge. Er kündigte an, die geleasten Maschinen mittelfristig in den Besitz der Gesellschaft bringen zu wollen. Das sei ein weitaus profitableres Modell. Mit Hilfe des neuen Konzepts will Wöhrl die Flotte der DBA langfristig auf 25 Maschinen aufstocken und die Zahl der Passagiere auf sechs Millionen steigern.

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