Deutsche Bahn : 500 Euro für den Kollaps

Die Deutsche Bahn zahlt Fahrgästen, die bei Hitze-Pannen Gesundheitsprobleme bekommen, 500 Euro Schmerzensgeld in bar - manchen reicht das immer noch nicht.

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Hilfe. Klimapannen schließt die Bahn auch weiterhin nicht aus. Foto: AFP
Hilfe. Klimapannen schließt die Bahn auch weiterhin nicht aus.Foto: AFP

Berlin - Die Deutsche Bahn zahlt Fahrgästen, die bei Hitzepannen Gesundheitsprobleme bekommen, 500 Euro Schmerzensgeld in bar. Diesen Betrag bekommen alle, die wegen ausgefallener Klimaanlagen ärztlich behandelt werden mussten oder müssen, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Die Regelung gelte rückwirkend seit Anfang Juli sowie bis auf Weiteres, sagte eine Sprecherin. Unabhängig davon bleibt es bei einer Entschädigung in Form von Reisegutscheinen. „Leider können wir damit die Vorfälle nicht rückgängig machen, setzen aber alles daran, dies künftig zu verhindern“, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube.

Betroffene sollten möglichst ein ärztliches Attest über Probleme infolge der Hitze vorlegen, empfahl die Bahn. Sei dies nicht möglich, werde man den jeweiligen Fall „kulant prüfen“. Zusätzlich gebe es einen Reisegutschein in Höhe von 150 Prozent des Fahrpreises – das sind maximal 104,50 Euro für eine Fahrt in der ersten Klasse. Reisende, die lediglich „massive Komforteinschränkungen“ durch ausgefallene Klimaanlagen im ganzen Zug hinnehmen mussten, können sich 50 Prozent des Fahrpreises als Gutschein auszahlen lassen. Bislang haben sich 2200 Kunden bei der Bahn gemeldet, sie seien mit insgesamt 130 000 Euro entschädigt worden. „Wir mussten signalisieren: Die Bahn knausert nicht, und sie windet sich aus der Sache nicht heraus“, sagte ein Konzernmanager dieser Zeitung.

Wegen der hohen Temperaturen hat die Bahn derzeit Probleme mit Klimaanlagen, vor allem in der ICE-2-Flotte. Am vorvergangenen Wochenende hatten drei Züge stoppen müssen, Reisende hatten von Temperaturen von 50 Grad Celsius im Zug gesprochen. Einige Schüler waren kollabiert und mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Gegen den Zugchef des in Bielefeld gestoppten ICE ermittelt die Staatsanwaltschaft. Seitdem musste die Bahn 50 Züge aus dem Verkehr ziehen. Am Mittwoch fiel nach Bahn-Angaben die Klimaanlage eines Intercity auf der Strecke von Amsterdam nach Berlin aus. In Hannover mussten die Reisenden in einen ICE umsteigen.

Verbraucherschützern geht die Ankündigung der Bahn nicht weit genug. „Jeder, der in überhitzten ICE-Zügen fahren musste, sollte den Fahrpreis erstattet bekommen und zusätzlich pauschal 300 Euro erhalten“, sagt Gerd Billen, Vorsitzender beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Die Entschädigung nur auf Kunden zu beschränken, die vom Arzt behandelt werden mussten, sei „kleinkariert und nicht geeignet, das verloren gegangene Vertrauen wiederherzustellen“.

Die Verkehrspolitiker des Bundestages und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wollen an diesem Donnerstag von Bahn-Chef Grube Auskunft über die Ursachen der Probleme und das weitere Vorgehen. Die Bahn hat die Werkstätten angewiesen, die Geräte genau zu prüfen, zudem sollen die Zugchefs sie nicht mehr auf voller Leistung laufen lassen. Ein einheitliches Schadensbild gibt es offenbar nicht. Bei einigen der Apparate im ICE 2 ist nur die Kühlung ausgefallen, bei anderen zugleich die Lüftung, einige machen bereits bei einer Außentemperatur von 32 Grad schlapp, andere halten länger durch. „Es hat eine Kette von Ursachen gegeben – viele Fahrgäste, ein in der Sonne aufgeheizter Zug und eine Klimaanlage, die lange Zeit auf vollen Touren lief“, sagte Thomas Hanusch, Experte beim Verband Deutscher Eisenbahn-Ingenieure. Er empfahl der Bahn, nicht nur die Klimaanlagen herunterzudrehen, sondern auch eine Überfüllung der Züge zu vermeiden. Neue Klimaanlagen will die Bahn frühestens im November einbauen.

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