Wirtschaft : Deutsche Bahn AG: Die Bahn macht 400 Millionen Mark Gewinn

Die Deutsche Bahn AG wird nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn in diesem Jahr im operativen Geschäft keine roten Zahlen schreiben, doch drohen dem Unternehmen Verluste in den kommenden Jahren. Das Betriebsergebnis werde im Jahr 2000 rund 400 Millionen Mark betragen, sagte Mehdorn am Sonntag in Magdeburg auf dem Gewerkschaftstag der Eisenbahnergewerkschaft Transnet. Würden jedoch keine weiteren Sanierungsmaßnahmen eingeleitet, könnten bis zum Jahr 2005 Verluste von "mehr als vier Milliarden Mark" anfallen. Diese Zahlen seien "dramatisch", sagte Mehdorn laut Redemanuskript. Hauptgrund für die drohenden Verluste seien Kostenüberschreitungen bei Großprojekten, insbesondere bei den Neubaustrecken Köln-Frankfurt und Nürnberg-Ingolstadt sowie beim Verkehrsknoten Berlin. Bei weniger konsequenter Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen drohten weitere Risiken in Höhe von zehn Milliarden Mark. Die Bahn hatte im vergangenen Jahr einen operativen Verlust von 170 Millionen Mark gemacht. Für dieses Jahr war ein positives Betriebsergebnis von 1,2 Milliarden Mark geplant. Mehdorn hatte kürzlich bekannt gegeben, dass das Unternehmen seine Gewinnziele in den kommenden fünf Jahren um insgesamt 20 Milliarden Mark verfehlen wird.

Die Bahn habe zu viel Geld in neue Projekte gesteckt und zu wenig in den Substanzerhalt, sagte Mehdorn. Die Sanierungsmaßnahmen seien in den vergangenen Jahren nicht schnell genug umgesetzt worden. Dies sei ein weiterer Grund für die Planabweichung in Höhe von 20 Milliarden Mark. Wie hoch die Verluste genau sein würden, hänge vom Unternehmen und seinen Mitarbeitern, aber auch von der Bundesregierung und den Ländern ab. Mehdorn forderte eine Verstetigung der Investitionsmittel und wies die Bundesregierung auf ihren Infrastrukturauftrag hin.

Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) stellte der Bahn jährlich zwei Milliarden Mark für Investitionen über das Jahr 2003 hinaus in Aussicht. "Ich gehe davon aus, dass auch danach diese notwendigen Mittel zur Verfügung stehen werden", sagte Bodewig in Magdeburg. Zudem wolle man die Investitionsförderung der Bahn von Darlehen auf Zuschüsse umstellen. Das entspreche einer Entlastung der Bahn von jährlich rund 500 Millionen Mark. Bodewig bot zudem an, in tarifvertragliche Regelungen zwischen Bahn und Gewerkschaften die Bundesregierung mit einzuschließen.

Mit Blick auf die weitere Personalentwicklung sagte Mehdorn vor den Gewerkschaftsmitgliedern: "Wir kommen um Werksschließungen und Rationalisierungsmaßnahmen nicht herum." Die Bahn müsse ihre Kosten senken und in die Zukunft investieren. "Ob wir eine Schrumpfbahn werden oder nicht, bestimmen wir gemeinsam." Der Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, warf Mehdorn vor, noch immer kein Konzept für eine zukunftsfähige Bahn vorgelegt zu haben. Transnet werde es nicht hinnehmen, dass immer neue Zahlen über Personalabbau vorgelegt würden, der Bahnvorstand aber keine Strategie vorlegen könne. Hansens Kritik richtete sich auch an Verkehrsminister Bodewig. Die Regierung habe noch immer nicht die Wettbewerbsnachteile der Schiene beseitigt. Der Bund trage als Bahn-Eigentümer die Verantwortung für die 230 000 Beschäftigten.

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