Wirtschaft : Deutsche Bahn AG: Freie Fahrt für alle Züge

Antje Sirleschtov

Die Deutsche Bahn ohne ihren Chef Hartmut Mehdorn? Beinahe unvorstellbar, dass der Eigentümer des größten deutschen Verkehrsunternehmens - der Bund - nur wenige Tage, nachdem er sich von Aufsichtsratschef Dieter Vogel getrennt hat, jetzt auch noch in einen undiplomatischen Grundsatzstreit mit dem Vorstandschef reinschlittert. Das stark sanierungsbedürftige Unternehmen braucht einen Spitzenmanager wie ihn gerade jetzt mehr denn je. Nach Jahren der politischen Unternehmensführung dominiert endlich betriebswirtschaftlicher Sachverstand die Führungsetage der Bahn. Und auch unter den Mitarbeitern des Unternehmens spricht sich langsam herum, dass Mehdorn eine - wenn auch für viele harte - zumindest nachvollziehbare Vision von der Sanierung der Bahn hat. Die Trennung des deutschen Schienennetzes vom Unternehmen Bahn auf dem Parteitag der Grünen in Stuttgart zur Personaldebatte um den Vorstand aufzubauen - der angeschlagenen Bahn hat Verkehrsminister Kurt Bodewig wohl keinen Gefallen getan.

Davon unbenommen bleibt, dass den zahlreichen Wettbewerbern des Staatsunternehmens nicht länger der ungehinderte Marktzutritt verwehrt werden darf. Längst haben sie im Personen- und Güterverkehr nachgewiesen, dass Pünktlichkeit, Service, attraktive Preise und Sicherheit keine natürlichen staatlichen Qualitäten sind. Dass die Deutsche Bahn den Konkurrenten die Fahrt aufs Gleis noch immer durch überhöhte Trassenpreise und allerlei andere Schikanen erschwert: Aus der Sicht des Monopolisten Bahn ist das nur zu verständlich. Hingenommen werden darf es deshalb trotzdem nicht länger.

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