Wirtschaft : Deutsche Bahn AG: Mehdorn hat genug geklagt

Carsten Brönstrup

Langsam, aber sicher läuft die Schonfrist für Bahnchef Hartmut Mehdorn ab. Mag er auch vor riesigen Finanzlöchern stehen, die sich plötzlich auftaten, und sich mit Altlasten und einem maroden Schienennetz herumplagen müssen. Und mag es auch angenehmere Jobs geben als die Führung eines noch immer verstaubten Staatsbetriebes, der bei Kunden und Medien nicht wohl gelitten ist und sich stets den Begehrlichkeiten aus der Politik erwehren muss. Die derzeitigen Rahmenbedingungen für eine Sanierung sind gleichwohl günstig: Der Staat will der Bahn auch nach 2003 mit Milliarden unter die Arme greifen, lästige Wettbewerber muss sie vorerst nicht fürchten, Auto fahren und Lkw-Transporte werden wegen des Ölpreises und der Lkw-Straßengebühr teurer, und die Nachfrage nach Mobilität wird auch in Zukunft steigen.

Mehdorn muss daher endlich ein Unternehmen mit schlankeren und schlagkräftigen Strukturen formen. Das wird nicht einfach angesichts der einflussreichen Bahn-Gewerkschaften. Doch bei allem Sanierungseifer darf er nicht an den falschen Stellen Personal einsparen. Horrorzahlen von einem Überhang von 120 000 Leuten, kolportiert von praxisfernen Unternehmensberatern, sind mit Vorsicht zu genießen. Service und Sicherheit haben für die Bahn eine besondere Bedeutung: Der Service in den Zügen und an den Schaltern kann eigentlich nur besser werden. Und Abstriche bei der Sicherheit durch überforderte oder schlecht ausgebildete Lokführer sind das Letzte, das sich die Bahn nach den Unglücken von Eschede und Brühl leisten kann.

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