Wirtschaft : Deutsche Bahn baut weniger Stellen ab als geplant

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Der Personalabbau bei der Deutschen Bahn AG wird sich in den Jahren 2002 und 2003 deutlich verlangsamen. Dies sagte Horst Föhr, Personalvorstand der Bahn, am Montag bei der Vorstellung des Personal- und Sozialberichts des Konzerns. In diesem Jahr erfolge der Stellenabbau planmäßig. Zum Jahresende erwartet Föhr, dass die Belegschaft der Bahn im Vergleich zum Jahresanfang um 8100 Beschäftigte auf rund 214 000 geschrumpft sein wird. Zu Beginn der Privatisierung im Jahr 1994 hatten noch mehr als 352 383 Menschen bei der Bahn gearbeitet. Föhr betonte, dass nicht vor 2006 mit einem Ende der Stellenstreichungen zu rechnen sei.

In den kommenden zwei Jahren würden voraussichtlich etwa 3000 bis 3800 Stellen weniger verloren gehen als in der bisherigen Mittelfristplanung vorgesehen. Genaue Zahlen wollte Föhr jedoch nicht nennen, da der Bahnvorstand erst im Dezember darüber entscheiden werde. Föhr nannte mehrere Gründe für den gebremsten Abbau: Zum einen werde der Umsatz voraussichtlich um mehrere hundert Millionen Mark stärker steigen als bisher angenommen. Zum zweiten stünde neue Technik nicht so schnell zur Verfügung wie geplant. Dies betreffe zum Beispiel die Modernisierung der Stellwerke. Und zum dritten gäben die UMTS-Mittel für die Streckenmodernisierung weitere Impulse. Aus diesem Topf wurden dem Streckennetz der Bahn von der Bundesregierung 460 Millionen Mark gewidmet. Um diese Verbauen zu können, müssten die Planungskapazitäten wieder aufgestockt werden. Die Einstellung von 1000 Planungsingenieuren sei geplant.

Dies bedeutet eine Wende in der bisherigen Konzernpolitik. Denn in den vergangenen Jahren wurden die Planungskapazitäten immer weiter abgebaut. Grund dafür waren die Kürzungen der Mittel im Bundeshaushalt für das Schienennetz. Konzernsprecher Dirk Große-Leege sagte dem Tagesspiegel: "Wir hatten schlicht kein Geld zum Verbauen." Außerdem sei bisher kaum eine Vorausplanung möglich gewesen. So seien die Bundesmittel des laufenden Jahres erst im Frühjahr genehmigt worden. Die UMTS-Gelder ermöglichten jetzt eine bessere Planung, sagte Große-Leege. Diese können jedoch noch nicht voll ausgeschöpft werden, denn die benötigten Ingenieure sind kaum zu bekommen. "Der Arbeitsmarkt in dem Bereich ist zurzeit sehr eng", sagte Föhr.

Von den Gewerkschaften forderte Föhr mehr Flexibilität bei den Lohnverhandlungen. Auch wenn zuletzt moderate Abschlüsse erreicht worden seien, stellten die konzernweiten Tarife ein großes Problem dar. "Die Wettbewerber können die Löhne regional differenzieren, wir nicht", sagte Föhr. Erfolge die Anpassung nicht, sind unter Umständen weniger Angebote und ein höherer Personalabbau zu erwarten. Dabei seien Kostensenkungen bereits bei den Bahngeboten in aktuellen Ausschreibungsverfahren eingeplant. "Wir hätten bei den derzeitigen Kosten keine Chance", sagte Föhr.

Für kommenden Januar oder Februar erwartet Föhr ein neues Gesetz der Bundesregierung, das den Vorruhestand von Bahn-Beamten wieder ermöglicht. 1998 war die vorherige Regelung ausgelaufen. Die Bahn hat noch 53 000 Beamte aus Zeiten vor der Privatisierung. Davon fallen bis 2006 etwa 7100 unter das neue Gesetz, sagte Föhr. Je Vorruheständler müsse die Bahn allerdings 60 000 Mark in die Bundeskasse zahlen.

Kampf gegen Korruption

Zu den jüngsten Ermittlungen gegen Bahnmitarbeiter wegen Korruption sagte Föhr, diese Fälle habe der Konzern bereits vor mehr als einem Jahr an die Staatsanwaltschaft gemeldet. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hatte in der vergangenen Woche drei Manager von zwei Privatfirmen und eines ehemaligen Einkaufsleiters der Bahn verhaftet. Aber es gebe noch weitere laufende Ermittlungen, sagte Föhr. Weitere 25 Verdachtsfälle würden bereits ebenfalls untersucht.

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