Deutsche Bahn : Börsengang trotz Finanzkrise

Die Deutsche Bahn lässt sich nicht einschüchtern: Trotz der Finanzkrise geht das Unternehmen planmäßig in diesem Herbst an die Börse. Gesucht wird derzeit noch nach dem richtigen Aktienpreis.

Der erste Handelstag für die Aktien der Verkehrssparte DB Mobility Logistics (DB ML) sei für den 27. Oktober geplant, teilte der Konzern am Freitag in Berlin mit. Im ersten Schritt sollen wie von der großen Koalition beschlossen 24,9 Prozent der Anteile am Personen- und Güterverkehr an die Börse gebracht werden. Bislang waren mögliche Einnahmen von bis zu acht Milliarden Euro genannt worden. Diese dürften im nun schwachen Börsenumfeld geringer ausfallen. Kritik am Zeitpunkt des Börsenstarts wiesen die Bundesregierung sowie Bahnchef Hartmut Mehdorn dennoch zurück.

Angeboten werden sollen die Aktien in Deutschland privaten und institutionellen Anlegern, im Ausland nur institutionellen Anlegern, wie die Bahn mitteilte. Ein besonderes Angebot will die Bahn auch Privatanlegern in Japan unterbreiten, die nach Angaben von Bahn-Finanzvorstand Diethelm Sack ein besonderes Interesse an der Bahnbranche haben. In den USA bietet die Bahn ihre Anteile nach eigenen Angaben hingegen nicht an.

85 Prozent der Aktien sollen an Investoren gehen

Die Bahn hätte am liebsten wenige Großinvestoren als Anteilseigner, die möglichst ein strategisches Interesse am Unternehmen haben. Damit bliebe die Zahl der Bahn-Anteilseigner für den Konzern überschaubar. Das Unternehmen strebt daher an, 80 bis 85 Prozent der auszugebenden Aktien an Investoren zu vergeben. Die restlichen Papiere sollen Privatanleger erwerben können, unter anderem die Mitarbeiter, für die rund vier Prozent vorgesehen sind.

Zwei Wochen vor dem geplanten Börsengang will die Bahn eine "internationale Roadshow" starten, um auf insgesamt 26 Stationen in Deutschland, europäischen Nachbarländern, dem Nahen Osten und in Asien bei institutionellen Investoren für ihre Aktie zu werben. Privatanleger in Deutschland sollen ebenfalls ab dem 13. Oktober Aktien zeichnen können.

Ziel: Weltweit führendes Logistikunternehmen

Mit dem Börsengang wolle die Bahn "zum weltweit führenden Mobilitäts- und Logistikunternehmen" werden, kündigte das Unternehmen an. Die Erlöse aus der Privatisierung sollten "für das geplante weitere organische und externe Wachstum des DB-ML-Konzerns verwendet werden". Dabei setze die Bahn auf die "intelligente Verknüpfung aller Verkehrsträger". Schon bislang hat Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bei Zukäufen in Deutschland und weltweit nicht nur auf die Schiene gesetzt, sondern sich auch im Straßengüterverkehr und etwa bei Seehäfen engagiert.

Mehdorn erklärte, die Bahn gehe "trotz der angespannten Situation an den internationalen Finanzmärkten zuversichtlich in die heiße Phase des Börsengangs." Aus bisherigen Gesprächen mit Investoren habe die Bahn "eine Vielzahl erfreulicher Rückmeldungen erhalten". Das Geschäftsmodell der Bahn habe eine "große Akzeptanz", fügte Mehdorn im Sender n-tv hinzu. "Wir sind ein sicherer Wert, der nicht konjunkturell rauf und runter geht."

Suche nach dem Preis mit Augenmaß

Die Bundesregierung unterstützte den Zeitplan des Unternehmens. Ein derart "komplexes Vorhaben" wie den Börsengang der Bahn "kann man nicht nach kurzfristigen, opportunistischen Kriterien gestalten", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte das Festhalten am Zeitpunkt für den Börsengang. Jetzt komme es darauf an, dass der Konzern für die Aktien "einen Preis mit Augenmaß findet", sagte DSW-Sprecher Marco Cabras der Nachrichtenagentur AFP. (sba/AFP)

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