Wirtschaft : Deutsche Bahn: Connex bedrängt die Bahn

Carsten Brönstrup

Die Deutsche Bahn schreibt schwarze Zahlen - aber wie lange noch? Nicht nur teure Investitionen in neue Lokomotiven und Waggons, sondern auch ein schärferer Wettbewerb auf der Schiene könnte ihr die Bilanz in den kommenden Jahren verhageln. Nicht einmal bei fünf Prozent liegt der Marktanteil privater Eisenbahn-Anbieter derzeit - eine Allianz aus Konkurrenten, Ländern und Verkehrspolitikern will das nun ändern.

Treibende Kraft dabei ist der Nahverkehrs-Anbieter Connex, eine Tochtergesellschaft des französischen Mischkonzerns Vivendi. Mit der Idee, die von der Bahn stiefmütterlich behandelten Interregio-Züge übernehmen zu wollen, sorgte Connex jüngst für Aufsehen: Man könne die bestehenden Strecken betreiben und sogar stillgelegte wiederbeleben, hieß es. Allerdings verlangen die Franzosen Geld - sonst ließen sich die Strecken nicht wirtschaftlich betreiben, beschieden sie den Landesfürsten. Diese nahmen das Ansinnen interessiert auf, Politiker von CDU, SPD und Grünen ebenso. Nun will sich sogar Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) für das Unternehmen stark machen und forderte, der Bahn konkrete Angebote für diejenigen Strecken vorzulegen, welche Connex übernehmen wolle. Der Grund: Statt wegen stillgelegter Zugstrecken Krach mit den Wählern zu riskieren, wollen die Politiker lieber neue Wege gehen.

Im Gespräch sind schon zahlreiche Verbindungen: Sachsen, Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen suchen für die Mitte-Deutschland-Strecke von Zwickau nach Düsseldorf einen Betreiber, der die Strecke häufiger bedient als es die Deutsche Bahn heute und in Zukunft tun will. Und an Verbindungen wie Berlin-Rostock, Berlin-Zittau oder Flensburg-Hamburg, Kiel-Hamburg oder Westerland-Hamburg ist wiederum Connex stark interessiert. Das Problem: Um diese Strecken betreiben zu können, fehlt Connex das Zugmaterial. Bis neue Züge gebaut sind, veranschlagt Unternehmenschef Hans Leister drei Jahre. Will er vorher aktiv werden, muss ihm die Deutsche Bahn Interregio-Zugmaterial überlassen. Die Renovierung der Waggons könnte auch Arbeitsplätze in Bahn-Ausbesserungswerken im Osten sichern, die vor der Schließung stehen, argumentiert er geschickt. Leister ist also darauf angewiesen, dass die Bundesländer Bahnchef Hartmut Mehdorn zum Einlenken bewegen - und er hat auch ein Druckmittel: "Zur Not lassen wir unsere Züge auch ohne Subventionen fahren - allerdings nur auf lukrativen Strecken, ohne Mitspracherecht der Länder", sagte Leister.

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