Wirtschaft : Deutsche Bahn denkt über neue Preise nach

FRANKFURT (MAIN) (ro).Die Deutsche Bahn AG wird möglicherweise zum Fahrplanwechsel im Herbst 1999 ein neues Preissystem für den Personenverkehr einführen.Derzeit werde an einem Konzept gearbeitet, das Tarifsystem zu vereinfachen und stärker streckenbezogen zu gestalten, meinte Bahn-Chef Johannes Ludewig am Donnerstag in Frankfurt."Es geht um die Preisstruktur.Wir haben nicht die Absicht, die Preise zu erhöhen." Entscheidungen seien noch nicht gefallen.Im ersten Halbjahr 1998 hat die Bahn den Umsatz trotz der ICE-Katastrophe von Eschede leicht auf 14,7 Mrd.DM erhöht, das Betriebsergebnis schrumpfte allerdings im Vergleich zum ersten Halbjahr 1997 um 31 Mill.DM auf 180 Mill.DM.Ludewig ist gleichwohl zuversichtlich, daß die Bahn 1998 das Umsatzniveau des Vorjahres erreicht und "auch weiterhin schwarze Zahlen schreibt".

Bis Mai war der Geschäftsverlauf im Fernverkehr nach Angaben von Ludewig günstig.Durch die Katastrophe von Eschede habe es aber im Juni einen Einbruch gegeben.Im Juli allerdings habe man wieder an die positive Tendenz vom Mai anknüpfen können.Den Umsatzausfall durch die ICE-Unfall beziffert Ludewig auf 40 bis 45 Mill.DM.Die Umrüstung der 60 ICE-Züge auf neue Räder schlage mit 20 bis 25 Mill.DM zu Buche.37 der 60 ICE-1-Züge sind mittlerweile wieder auf der Strecke, zum Großteil allerdings mit nur acht statt zwölf Wagen.Bis auf wenige Ausnahmen sollen alle betroffenen ICEs bis zum Fahrplanwechsel am 27.September wieder im Einsatz sein.

Im Fernverkehr setzte die Bahn in den ersten sechs Monaten mit 3,9 Mrd.DM etwas mehr um als vor Jahresfrist.Im Nahverkehr allerdings schrumpfte der Umsatz um 1,6 Prozent auf 6,9 Mrd.DM.Ludewig macht dafür vor allem die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich, wegen der es weniger Pendler gebe.Im Güterverkehr sei die Entwicklung weiter erfreulich, betont der Bahn-Chef.Im ersten Halbjahr erhöhte sich der Umsatz um ein Prozent auf 3,5 Mrd.DM.Die im Juni festgezurrte Fusion der Cargo-Bereiche der deutschen und der niederländischen Bahn zur Rail-Cargo-Europe ab Mitte 1999 ist für Ludewig ein ganz entscheidender und notwendiger Schritt, den Güterbereich zu stärken.Die Fusion sei offen für weitere europäische Partner.Ende Juni zählte die DB AG noch 260 000 Mitarbeiter, rund 8000 weniger als Ende 1997.

Zu möglichen Zugstreichungen, über die vor allem bei Interregio-Zügen spekuliert worden war, sagte Bahn-Chef Ludewig nichts.Er gehe davon aus, daß es nach dem Fahrplanwechsel netto mehr Interregio-Verbindungen gebe als bisher.Die Bahn sei in intensiven Gesprächen mit den Ländern.

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