Wirtschaft : Deutsche Bahn: Der Bahnchef geht auf Risiko

Margarita Chiari

Bahnchef Hartmut Mehdorn riskiert viel. Kaum zehn Tage ist es her, dass er sich mit den Gewerkschaften nach monatelangem Gerangel auf einen Tarifabschluss und ein langfristiges "Zukunftssicherungspaket" geeinigt hat. Die Erleichterung schien groß. Das Wichtigste sei, so hatte Mehdorn damals betont, dass man bei der Bahn nun wieder gemeinsam an einem Strang ziehe. Was, so fragt man sich nun, hat den Bahnchef nun dazu getrieben, diesen mühsam errungenen Frieden plötzlich wieder aufzukündigen? Dass Gewerkschaften und Betriebsräte empört darauf reagieren, ohne Vorankündigung und nur aus der Presse zu erfahren, dass zehn Werkstätten geschlossen und insgesamt 5000 Arbeitsplätze in wenigen Monaten gestrichen werden sollen, kann ihn eigentlich nicht überraschen. Da ist wohl etwas schief gelaufen.

Das ist schade. Denn die Entscheidung, Fertigungskapazitäten still zu legen, ist sinnvoll. Die Bahn ist ein Dienstleistungsbetrieb, kein Industrieunternehmen. Die Zeiten, da sie Züge entwickelte, fertigte und in großem Ausmaß Instandhaltungsarbeiten durchführte, sind vorbei. Das können andere besser, effizienter und vor allem kostengünstiger machen. Sicher wird die Industrie den Ansprüchen heute noch nicht gerecht, wie die immer neuen Pannen mit Schienenfahrzeugen beweisen. Doch auf lange Sicht ist diese Aufteilung zweckmäßig. Mehdorn aber wäre gut beraten gewesen, die Stilllegungen vorsichtiger vorzubereiten. Die Bahn hat Arbeit vor sich, im Konflikt mit der Belegschaft wird der Chef die Aufgaben nicht lösen können. Jetzt bleibt ihm kaum eine andere Wahl, als zurück zu rudern und auf die Forderung der Gewerkschaften nach einer zeitlichen Streckung einzugehen. Kosten wird er anderswo streichen müssen.

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