Wirtschaft : Deutsche Bahn: Deutschlands Bahnhöfe putzen sich heraus

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Nach jahrzehntelanger Vernachlässigung kommen die Bahnhöfe und ihre Stadtviertel aus der Schmuddelecke heraus. Die Deutsche Bahn AG will ihr ursprünglich auf 15 bis 20 Jahre angelegtes Bahnhofs-Sanierungsprogramm jetzt bereits in zehn Jahren realisieren. Dafür sollen aus der Konzernkasse jährlich etwa eine Milliarden Mark fließen, sagte Dieter Ullsperger, Vorstand Personenbahnhöfe, dem Handelsblatt. Dieses Vorhaben startet parallel zur "Sauberkeitsoffensive" der Bahn. Mit ihr sollen flächendeckend an allen Bahnhöfen und Haltepunkten Schönheitsreparaturen ausgeführt sowie Graffiti- und Vandalismusschäden beseitigt werden.

Neben Bahn-Mitteln von 170 Millionen Mark fließen auch Gelder von sechs Bundesländern. Am Donnerstag unterzeichnete Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) eine entsprechende Verpflichtung. Mit der Bahnhofssanierung strebt die Bahn AG eine systematische Vermarktung der Empfangsgebäude an. Über die Vermietung und Verpachtung von Flächen für Handel, Dienstleistung und Gastronomie wird eine Kapitalrendite von zwölf Prozent angestrebt. Vorbild sind die restaurierten Hauptbahnhöfe von Leipzig, Köln und Hannover, in denen attraktive Einkaufsmeilen entstanden sind. In abgestuften Konzepten will die Bahn aber auch eine Vielzahl kleinerer Bahnhöfe standortgerecht ausbauen.

Hintergrund für den erwachten Eifer: Immer mehr kommunale Stadtplaner sehen rings um die Gleise Entwicklungspotenziale. Bei den Bundesländern wächst die Bereitschaft, dies mit Fördermitteln zu unterstützen. Spitzenreiter sind derzeit NordrheinWestfalen und Hessen: An Rhein und Ruhr gibt es 400 Millionen Mark für die Sanierung von 200 Stationen, in Hessen 440 Millionen Mark für 150 Bahnhöfe. Lob vom Deutschen Städtetag kassiert dafür NRW. Verkehrsdezernent Kiepe: "Das Land ist eingespannt in die Stadterneuerungspolitik und gibt Mittel aus der Städtebauförderung."

Aber auch Flächenstaaten wie Niedersachsen sind mit von der Partie. In dieser Woche stellte Hannovers Verkehrsministerin Susanne Knorre (SPD) 75 Millionen Mark zur Verfügung: "Rund 80 Prozent der 360 niedersächsischen Stationen sind in schlechtem Zustand und dringend erneuerungsbedürftig", erklärte Knorre. Von sich aus hat die Bahn nach eigenen Angaben allerdings in Niedersachen seit 1996 bereits über 800 Millionen Mark in die BahnhofsSanierung gesteckt - bis hinunter in kleine Heide-Stationen. "Wir kommen immer intensiver mit Kommunen und Ländern zusammen", beobachtet Bahn-Manager Ullsperger. "In den letzten zwei, drei Jahren ist ein neues Bewusstsein entstanden, das die Bahnhöfe als Tor zu den Kommunen und als Kern für neue innerstädtische Entwicklungen sieht." Welche Bahnhöfe von dem Investitionsprogramm erfasst werden, ist noch offen. 2000 Empfangsgebäude kommen in Frage, 800 davon stünden "noch auf dem Prüfstand". Hier sei noch nicht ermittelt, ob die Verkehrsfrequenz und das Umfeld tatsächlich eine kommerzielle Nutzung erlaubten. Unabhängig von der Ausbau-Entscheidung blieben diese Stationen aber in jedem Fall als Zughaltepunkte bestehen.

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