Deutsche Bahn : "Die Atmosphäre ist versaut"

Der Ton zwischen den Tarifparteien wird schärfer - die Bahn prüft eine Klage auf Schadenersatz

Carsten Brönstrup,Rolf Obertreis
Bahn
Nichts geht mehr: Bundesweit konnten 140 Züge wegen der Streiks nicht fahren. -Foto: ddp

Berlin/Frankfurt am Main - Im Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL ist keine Einigung in Sicht. „Wenn der Bahnvorstand uns den Fehdehandschuh hinschmeißt, werden wir ihn mannhaft aufnehmen“, sagte der GDL-Vorsitzende Manfred Schell am Dienstag dieser Zeitung. Schuld an den verhärteten Fronten habe Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. „Er hat die Atmosphäre versaut.“ Der Manager konterte, sein Konzern werde Schadenersatzforderungen gegen die GDL wegen der ausgefallenen Züge prüfen. Am Morgen hatten nach GDL-Angaben erneut Tausende Lokführer die Arbeit für zweieinhalb Stunden eingestellt. Der Zugverkehr war stark beeinträchtigt.

Am Montagabend hatte das Arbeitsgericht Düsseldorf einen Streik in Nordrhein-Westfalen untersagt, am Dienstagmorgen folgte das Landgericht Mainz mit einem bundesweiten gültigen Verbot. Zur Begründung erklärten die Richter, die Streiks verstießen gegen die Friedenspflicht und beträfen bislang ungekündigte Tarifverträge. Die Beschlüsse gelten einer Gerichtssprecherin zufolge unbefristet, auch die GDL schloss weitere Streiks in dieser Woche aus. Man werde aber Berufung einlegen.

Am Dienstagmorgen begannen die Arbeitskämpfe dennoch, weil die GDL die Entscheidungen erst nach acht Uhr, dem geplanten Beginn der Ausstände, zugestellt bekam. Ab diesem Zeitpunkt ist eine Einstweilige Verfügung bindend. Eine Sprecherin des Mainzer Gerichts sagte, der Anwalt der GDL habe den Eingang des Schreibens zunächst nicht bestätigt. Die Gewerkschaft brach den Streik aber bereits um 10.15 Uhr statt um 11 Uhr ab.

Nach Angaben der Bahn hat der Ausstand den Zugverkehr erheblich behindert. 140 Züge seien blockiert worden, die S-Bahnen nicht mitgerechnet. Betroffen waren der Nahverkehr in Berlin, München, Hannover, Stuttgart, Hamburg sowie in den Regionen Rhein-Neckar und Rhein-Main. Auch im Fernverkehr fielen in Berlin, Hannover, Hamburg und Hessen einige Züge aus. Ab Mittag normalisierte sich der Verkehr wieder.

Mehdorn attackierte die GDL. Der Streik sei „unbotmäßig“. Zur Angabe, man habe die Gerichtsentscheidung nicht zugestellt bekommen, sagte er: „Es ist schon merkwürdig, dass da eine Gewerkschaft einfach ihre Briefkästen nicht leert oder nicht Fernsehen oder Radio anmacht.“ Zudem dürfe es nicht sein, dass eine Berufsgruppe versuche, sich innerhalb des Konzerns Vorteile auf Kosten anderer zu verschaffen. Die Bahn werde bei den für Freitag anberaumten Verhandlungen kein verbessertes Angebot vorlegen. Es bleibe bei den 4,5 Prozent, die man mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart habe, sagte Mehdorn. „Es gibt nichts anderes.“

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