Wirtschaft : Deutsche Bahn: Gewerkschaft will gegen Stellenabbau streiken

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Die Deutsche Bahn AG will bis Ende 2003 acht ihrer 18 Ausbesserungswerke in ganz Deutschland aufgeben und 5900 Stellen abbauen. Die vorwiegend in den neuen Ländern liegenden Werke sollen entweder verkauft oder geschlossen werden, teilte der Bahn-Vorstand nach einer Sitzung in Berlin mit. Der Chef der Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, nannte die Maßnahmen "überzogen" und kündigte "massiven Widerstand" und Streiks bereits am Mittwoch an. Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) forderte die Bahnspitze in einem Brief auf, den Personalabbau sozialverträglich zu gestalten.

Im Zuge der Konsolidierung will der Bahn-Vorstand Wirtschaftlichkeit und Produktivität des Unternehmens steigern. Bei der Instandhaltung gebe es Überkapazitäten - derzeit seien die Werke im Schnitt nur zu 57 Prozent ausgelastet, ohne Schließung würden es bis 2005 nur noch 20 bis 30 Prozent sein. In den großen Instandhaltungswerken arbeiten derzeit 11 500 Menschen. Die Konzentration auf wenige Standorte senke die Fixkosten; die Anschaffung neuer Waggons und Züge mache viele Wartungen und Reparaturen ohnehin überflüssig. Außerdem würde das Material effizienter eingesetzt. Bahnchef Hartmut Mehdorn: "Wir kommen mit einer kleineren Fahrzeugflotte aus. An diesem Instandhaltungsbedarf müssen wir unsere Kapazitäten ausrichten." Betroffen von der Schließung sind die Werke München-Neuaubing, Nürnberg, Leverkuse-Opladen, Delitzsch, Chemnitz, Leipzig-Engelsdorf, Zwickau und Neustrelitz. Für das Werk Stendal verhandele man "aussichtsreich" mit Übernahmeinteressenten, auch ein Verkauf von Neustrelitz sei möglich.

Für die betroffenen Mitarbeiter will die Bahn nach alternativen Beschäftigungen suchen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei der Bahn bis zum Jahr 2004 ausgeschlossen. Allerdings können Mitarbeiter unter 40 Jahren in so genannte Transfergesellschaften kommen, in denen sie maximal drei Jahre weiter qualifiziert werden. Danach droht ihnen die Arbeislosigkeit.

Transnet-Chef Hansen erklärte, die Probleme in den Werken seien auf das verringerte Bahn-Angebot zurückzuführen. Schuld sei die Streichung von Zügen und die Schließung von Güterverkehrszentren. "Statt Leistungsbeschränkungen muss der Bahnvorstand mehr Verkehr auf die Schiene holen", kritsierte er. Weiterhin müssten aus den Bahnwerken ausgelagerte Arbeiten zurückgeholt und intern erledigt werden.

Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) hatte vor der Vorstandssitzung die Bahn aufgefordert, für überzählige Arbeiter Qualifizierung und Beschäftigungsförderung zu bieten. Gleichwohl unterstütze die Bundesregierung die Sanierung der Bahn. "Nur mit einer wirtschaftlich leistungsfähigen DB AG wird der Verkehrsträger Schiene Zukunft haben", schrieb Bodewig. Er verlangte jedoch auch, die Bahn müsse die "strukturpolitischen Auswirkungen" mit berücksichtigen. Die Bahn wies darauf hin, dass auch nach den Schließungen fast die Hälfte der Reparaturen in den neuen Ländern erfolge.

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