Deutsche Bahn : Hansen wechselt die Seiten

Der Chef der Gewerkschaft Transnet Norbert Hansen wird Arbeitsdirektor in der Konzernspitze der Deutschen Bahn – Kritiker finden das "schamlos".

Carsten Brönstrup
Hansen
Guter Draht. Norbert Hansen und Hartmut Mehdorn hatten in den vergangenen Jahren fast nie Streit. -Foto: dpa

Berlin - Der Chef der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, wechselt als Arbeitsdirektor zur Deutschen Bahn. Zum 1. Juni soll er das Amt antreten. „Ich bin vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG und aus Kreisen der Politik gefragt worden, ob ich als Arbeitsdirektor zur Verfügung stehen würde“, teilte Hansen am Donnerstag in Berlin mit. „Ich habe dazu meine Bereitschaft erklärt.“ Vom Gewerkschaftsvorsitz, den der 55-Jährige seit 1999 innehatte, trat er zurück. Politiker der SPD und der Opposition kritisierten das Vorhaben.

Der Bahn-Aufsichtsrat soll die Personalie am kommenden Donnerstag beschließen. Hansen, der derzeit noch Vizechef des Gremiums ist, wird das Ressort Personal bei der Bahn-Holding verantworten, die auch nach der Teilprivatisierung vollständig im Bundesbesitz bleiben wird. Die derzeitige Personalchefin Margret Suckale soll nur noch für die Transportsparte zuständig sein, die zu 24,9 Prozent an Private verkauft wird. Unter Suckales Regie hatte die Bahn im Frühjahr den Tarifstreit mit der Lokführergewerkschaft GDL verloren.

Der Transnet-Vorstand wertete den Wechsel Hansens in die Führungsspitze als „weitere Garantie für den integrierten Konzern und für die Sicherung der Beschäftigung“. Als Hansens Nachfolger ist sein bisheriger Stellvertreter Alexander Kirchner im Gespräch. Die Transnet ist mit 240 000 Mitgliedern die größte Bahn-Gewerkschaft in Europa. Hansen, der Mitglied der SPD ist, kann sich Konzernkreisen zufolge auf die Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Chef Kurt Beck stützen. Für ihn spreche, dass er die Beschäftigten hinter sich habe und den Konzern sehr gut kenne, hieß es.

Der SPD-Linke Hermann Scheer kritisierte Hansens Wechsel. „Die zeitliche Nähe wirkt ziemlich schamlos", sagte er dem Tagesspiegel. „Ein solcher Schritt nährt den bösen Schein.“ Es gebe einen „natürlichen Gegensatz“ zwischen den Interessen der Beschäftigten und des jeweiligen Vorstands, sagte er weiter. „Dass es ausgerechnet der Gewerkschaftsvorsitzende sein muss und dann auch noch im Zusammenhang mit dem Konflikt um die Bahn-Privatisierung, das kann nur Kopfschütteln hervorrufen.“

Fritz Kuhn, Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen, sagte: „Es ist peinlich, wie der brave Privatisierungs-Hurra-Gewerkschafter nun mit einem Vorstandsposten belohnt wird.“ Damit spielte er auf Hansens Rolle in der Diskussion um den Bahn-Verkauf an – die übrigen Gewerkschaften lehnen den Plan ab, nur die Transnet unterstützt ihn. „Der war als Gewerkschafter schon immer auf der anderen Seite“, befand Kuhn. Gregor Gysi, Fraktionschef der Linken, kommentierte: „Was Hartz bei VW war, wird Hansen jetzt bei der Bahn.“

Der Bundestag soll am 30. Mai in einem Entschließungsantrag über die Privatisierung der Bahn befinden. Momentan geht es um die Frage, welche Manager die Konzern-Holding und wer die Transportsparte führen sollen. Fest steht, dass Mehdorn und Finanzchef Diethelm Sack in beiden Vorständen vertreten sein sollen. Die SPD strebt aber an, dies nur für eine Übergangszeit zuzulassen. Auf der Aufsichtsratssitzung in der nächsten Woche steht Konzernkreisen zufolge eine ganze Reihe von Personalien auf der Tagesordnung, um die doppelten Vorstandsstrukturen zu schaffen. Bei den jetzigen Vorstandsmitgliedern stößt das zum Teil auf Unmut.

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