Deutsche Bahn : ICE-Klimaanlagen ab 32 Grad überfordert

Die Klimaanlagen in Fernzügen der Deutschen Bahn funktionieren offenbar nur bei Temperaturen bis 32 Grad Celsius völlig störungsfrei. Das Eisenbahnbundesamt prüft Konsequenzen.

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Berlin - Die Klimaanlagen in Fernzügen der Deutschen Bahn funktionieren offenbar nur bei Temperaturen bis 32 Grad Celsius völlig störungsfrei. Nach Informationen des Eisenbahnbundesamtes, das für die Sicherheit des Bahnverkehrs zuständig ist, ist die Kühlung der Züge nur bis zu dieser Höhe ausgelegt. Das habe die Bahn der Behörde bei einer Anhörung selbst mitgeteilt, sagte eine Sprecherin dem Tagesspiegel. Das Amt prüft jetzt, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Meteorologen erwarten für die kommenden Tage keine nennenswerte Abkühlung auf Temperaturen unter 30 Grad.

Die Bahn wies am Donnerstag Schuldvorwürfe zurück. Alle Wartungsvorschriften seien eingehalten worden, bei den Klimaanlagen hätten keine technischen Defekte vorgelegen, erklärte der für den Personenverkehr zuständige Vorstand Ulrich Homburg. Ältere Fahrzeuge der ICE-1- und ICE-2-Flotte müssen ihre volle Kühlleistung nur bei Außentemperaturen bis 32 Grad bringen. Damit genügen sie den Normen, die bei Anschaffung der Bahnen Anfang der 90er Jahre galten. Züge, bei denen die Klimaanlage ausgefallen ist, werden nach einem Check in der Werkstatt wieder eingesetzt. „Wir haben keine Reserven“, betonte Homburg. Wegen der Hitze ist seit vergangenem Freitag in 48 Fernzügen, meist ICE 2, die Klimaanlage ausgefallen. Verbraucherschützer drohen jetzt mit Strafanzeigen gegen Verantwortliche der Bahn. Sollten die Klimaanlagen nur bis 32 Grad ausgelegt sein und habe die Bahn das gewusst, sei dies ein Skandal, kritisierten der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) und Pro Bahn am Donnerstag. Die Bahn hätte die Kunden aktiv im Vorfeld warnen müssen, statt deren Gesundheit aufs Spiel zu setzen, betonte VZBV-Chef Gerd Billen.

Mediziner warnten vor Reisen in überhitzten Zügen. „Wenn ein Zug nicht ausreichend klimatisiert ist, muss man gefährdeten Personen, also Senioren, Kindern und Herz-Kreislauf-Patienten, von der Reise abraten“, sagte der Arbeitsmediziner Hanns-Christian Gunga von der Berliner Charité. Er forscht daran, wie Menschen mit ungewöhnlichen Umweltbedingungen wie extremer Hitze oder Kälte zurechtkommen. „Es spielt nicht nur die Höhe der Temperatur eine Rolle, sondern es geht vor allem darum, wie lange der Mensch der Hitze ausgesetzt ist – und das sind in einem ICE in der Regel mehrere Stunden.“ Wer die geplante Reise unbedingt antreten müsse, sollte ausreichend Flüssigkeit mitnehmen, um einen Hitzekollaps oder Hitzeschock zu vermeiden. „Mit einem Liter pro Stunde ist man auf der sicheren Seite“, sagte Gunga.

In der Politik wächst das Unbehagen über die Bahn. SPD-Fraktionsvize Florian Pronold forderte eine parlamentarische Untersuchung. Bisher würde die Bahn Informationen nur scheibchenweise herausrücken, „ich bin gespannt, was da noch alles herauskommt“, sagte er dem Tagesspiegel. Pronold forderte Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auf, sich stärker zu engagieren. Sein Ministerium wies jede Verantwortung zurück. Der Bund sei zwar Eigentümer; für den Betrieb der Bahn sei aber das Unternehmen selbst zuständig.

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