Deutsche Bahn : Jeder dritte Zug offenbar zu spät

Die Deutsche Bahn weist einem Pressebericht zufolge in letzter Zeit deutlich mehr Verspätungen auf. Die Pünktlichkeit im Personenverkehr betrage laut internen Bahn-Statistiken im September nur 68 Prozent.

Hamburg - Im Fernverkehr komme derzeit rund jeder dritte Zug zu spät ans Ziel, berichtete die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Informationen aus der Deutschen Bahn. Grund für die Verspätungen seien unter anderem viele neue Baustellen. Im August waren dem Bericht zufolge ebenfalls nur 78 Prozent der Personenzüge im Fernverkehr pünktlich. Ein Sprecher der Deutschen Bahn wollte sich zu den Zahlen nicht äußern, erklärte aber, die Bahn strebe im Gesamtjahr wieder eine Pünktlichkeit von mehr als 90 Prozent an.

Der Bahnsprecher räumte leichte Rückstände bei den Baustellen ein. Er begründete dies unter anderem damit, dass die Arbeiten wegen des langen Winters später begonnen hätten und zudem während der Fußball-Weltmeisterschaft nicht gebaut worden sei. Als pünktlich gilt ein Zug, wenn er nicht mehr als fünf Minuten verspätet ist.

Weniger Investitionen in Gleise und Anlagen

Bei den Reparaturen am Schienennetz besteht laut "BamS" auch Nachholbedarf, weil die Bahn in den vergangenen Jahren deutlich weniger Geld als mit dem Bundesverkehrsministerium und dem Eisenbahnbundesamt vereinbart investiert habe. Dies gehe aus dem Netzzustandsbericht für das Jahr 2005 vor: Demnach sollte die DB Netz AG in den Jahren 2001 bis 2005 insgesamt 8,18 Milliarden Euro für die Instandhaltung der Schienen ausgegeben. Tatsächlich habe das Unternehmen aber 1,492 Milliarden Euro weniger in Gleise und Anlagen investiert.

Auch diese Summen wollte der Bahnsprecher nicht kommentieren. Er verwies lediglich darauf, dass die Bahn jährlich mehr als eine Milliarde Euro in die Instandhaltung investiere. Zudem würden mehr als drei Milliarden Euro für Investitionen in das bestehende Netz eingesetzt. Dabei handele es sich vor allem um Bundesmittel.

Scharfe Kritik von Verkehrsexperten

Verkehrsexperten verschiedener Parteien übten scharfe Kritik an der Bahn. "Die Bahn spart an der Instandhaltung, um ihr Geschäftsergebnis für den Börsengang zu schönen. Das ist ein Vorgeschmack auf das, was uns nach einem Börsengang mit Schienennetz erwarten würde", sagte der FDP-Politiker Horst Friedrich dem Blatt. Bei dem geplanten Börsengang der Deutschen Bahn ist besonders umstritten, ob das Schienennetz zusammen mit der Bahn privatisiert werden oder beim Bund verbleiben soll. Bahnchef Hartmut Mehdorn will erreichen, dass das Netz bei der Bahn bleibt.

CDU und Grüne warfen Mehdorn vor, die Öffentlichkeit über die mangelnde Pünktlichkeit zu täuschen. Der Grünen-Abgeordnete Winfried Hermann sagte, die Jubelmeldungen der Bahn zur Pünktlichkeit könnten nicht stimmen. "Das weiß jeder Bahnfahrer, weil er selbst täglich das Gegenteil erfährt." Der CDU-Politiker Dirk Fischer forderte, die Pünktlichkeit künftig von einem unabhängigen Gutachter und nicht mehr von der Bahn selbst ermitteln zu lassen. "Nur so bekommen wir endlich ehrliche Zahlen", sagte Fischer. (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar