Wirtschaft : Deutsche Bahn: Kartellamt beanstandet Benachteiligung von Konkurrenten

chi

Die Deutsche Bahn muss Wettbewerbern einen günstigeren Zugang zu ihrem Schienennetz einräumen. Das Bundeskartellamt hat dem Konzern eine Frist bis Ende August eingeräumt, um sein so genanntes Trassenpreissystem zu überarbeiten, also jene Gebührenordnung, in der festgelegt ist, wieviel Transportunternehmen für die Nutzung der Schienentrassen zahlen müssen. Die Bahn würde dabei ihre Konkurrenten massiv benachteiligen, so der Vorwurf der Wettbewerbsbehörde.

"Die derzeitigen Trassenpreise der Deutschen Bahn sind nicht akzeptabel", bestätigte Kartellamtschef Klaus Böge in einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung". Der Unternehmensbereich Netz der Bahn würde der Nahverkehrssparte des Konzerns, der DB Regio, bei der Vermietung der Trassen Vorzüge einräumen. Sie bekomme einen höheren Rabatt. Grund ist die Staffelung der Gebühren: Je länger die Strecken, die gemietet werden, desto geringer der Preis je Kilometer. Weil die Bahn im Nahverkehr auf der Schiene mit einem Marktanteil von rund 95 Prozent mit Abstand der größte Nutzer ist, erhält sie den größten Rabatt. Nach Erkenntnissen des Kartellamts müssen private Betreiber bis zu 30 Prozent mehr zahlen als die DB Regio. Sollte die Bahn bis Ende August "kein diskriminierungsfreies System vorlegen, dann werden wir die jetzige Regelung untersagen", drohte Böge. Gleichwohl gehe er nach einem Gespräch mit Bahnchef Harmut Mehdorn davon aus, "dass wir dieses Thema noch im August klären können".

Dem Kartellamt und dem Eisenbahnbundesamt lagen bereits seit längerem Beschwerden mehrerer Wettbewerber der Bahn über zu hohe Trassenmieten vor. Die zum französischen Vivendi-Konzern gehörende Deutsche Eisenbahngesellschaft (DEG) und die Hessische Landesbahn (HLB), die zu den mächtigsten Konkurrenten der Bahn gehören, hatten ihre Kritik durch ein Gutachten des TU-Präsidenten Hans-Jürgen Ewers untermauert, das dem Tagesspiegel vorliegt. Demnach müssten Konkurrenten eine Mindeststreckenlänge von zu 800 Kilometern nutzen, um Rabatte eingeräumt zu bekommen. Ewers wirft dem System auch mangelnde Transparenz vor. Als mögliche Alternative schlägt er vor, dass die privaten Wettbewerber sich zu "Einkaufsgemeinschaften" zusammenschließen, um so Preisnachlässe zu erreichen. Bahnsprecher Dirk Große-Leege bestätigte, dass Gespräche liefen. "Wir sind zuversichtlich, bis Ende des Monats ein Übereinkommen zu finden", sagte er.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben