Wirtschaft : Deutsche Bahn: Kommentar: Ärgern mit Handbremse

Carsten Brönstrup

Es sieht nach heftigem Ärger aus, der Bahnchef Hartmut Mehdorn ins Haus steht. Die mächtige Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet will "mit allen demokratischen Mitteln" gegen den angekündigten Stellenabbau in den Reparaturwerken des Konzerns protestieren. Schon am Mittwoch wollen die Beschäftigten die Arbeit verweigern. Wackelt also nun Mehdorns Stuhl, weil er nach dem heftigen Streit mit der Politik über die Zukunft des Schienennetzes nun auch noch Probleme mit der Belegschaft bekommt? Eher nicht - darauf wird es die Gewerkschaft vermutlich nicht ankommen lassen.

Grundsätzlich trägt Transnet die Sanierung der Deutschen Bahn AG mit - denn eine ernst zu nehmende Alternative dazu kann sie nicht bieten. Auch Gewerkschaftschef Norbert Hansen weiß, dass die meisten der von der Schließung betroffenen Bahn-Werke unwirtschaftliche Altlasten aus Reichsbahn-Zeiten sind. Außerdem ist ein sinkender Reparaturbedarf die Folge der Investitionen in neue Züge - neue Loks und Waggons fallen nun einmal seltener aus als bis zu 50 Jahre alte Fahrzeuge. Und schließlich kann die Bahn keine Anstalt für Arbeitsbeschaffung sein und Aufgaben erledigen, die externe Unternehmen besser und billiger anbieten, will sie 2005 an die Börse. Obendrein können sich die Eisenbahner darauf verlassen, bis 2004 keine betriebsbedingten Kündigungen entgegennehmen zu müssen. Wichtiger jedoch für die Gewerkschaft: In Folge eines großen Konflikts über einen Stellenabbau könnte ihr mit Hartmut Mehdorn der wichtigste Verbündete im Kampf um die Einheit von Schiene und Bahnbetrieb abhanden kommen. Würde dann womöglich das Netz vom Bahn-Konzern getrennt, wie es der Verkehrsminister will, gingen mittelfristig weitaus mehr Jobs verloren, als durch die Schließung von Reparaturwerken nun angekündigt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben