Deutsche Bahn : Konzern halbiert Gewinn

Der Gewinn der Deutschen Bahn ist eingebrochen. Für Konzernchef Grube ist es das schlechteste Ergebnis seiner Amtszeit.

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Die Bahn halbiert ihren Gewinn
Die Bahn halbiert ihren GewinnFoto: dpa

Berlin - Der Gewinn der Deutschen Bahn ist überraschend stark eingebrochen. Der Konzern soll im vergangenen Jahr nach Steuern nur noch 650 Millionen Euro verdient haben, berichtet „Der Spiegel“ aus Aufsichtsratskreisen. Damit hätte sich der Gewinn mehr als halbiert. Stimmen die Zahlen, ist das für Bahnchef Rüdiger Grube das mit Abstand schlechteste Ergebnis seiner Amtszeit. Für seinen Konzern bedeutet der Gewinnrückgang einen harten Einschnitt. Von den 650 Millionen Euro darf die Bahn nämlich nur einen Bruchteil behalten: 525 Millionen Euro gehen als Dividende an den Bund.

Die Bahn wollte sich zu den Zahlen am Sonntag nicht äußern und verwies auf den 27. März. Dann wird der Konzern offiziell seine Bilanz vorstellen. Für Grube dürfte das kein leichter Termin werden – denn spätestens dann muss er erklären, wie es zu den schlechten Zahlen gekommen ist. Ursprünglich hatte er für 2013 einen Nachsteuergewinn von 1,6 Milliarden Euro angestrebt.

Eines ist aber schon jetzt klar: Daran, dass weniger Menschen im vergangenen Jahr mit dem Zug gefahren sind, dürfte es nicht liegen. Der Konzern soll im vergangenen Jahr 39 Milliarden Euro eingenommen haben – ungefähr genauso viel wie im Vorjahr. Stattdessen waren es wohl Probleme mit der Logistiktochter Schenker, gestiegene Personalkosten und höhere Rückstellungen, die den Gewinn so stark gedrückt haben.

Die Spedition Schenker leidet vor allem unter der schwachen Konjunktur in Europa. Auch die Sparte Schienennetz bleibt deutlich hinter Grubes Erwartungen zurück. Es heißt, die Bahn habe viel mehr für die Instandhaltung des Schienennetzes ausgeben müssen als geplant. Hinzu kamen im vergangenen Sommer Probleme in den Stellwerken: Weil nicht genug Fahrdienstleister im Einsatz waren, kam es zu erheblichen Beeinträchtigungen im Zugverkehr. Danach hatte Grube versprochen, mehr Personal in diesem Bereich einzustellen.

Unterdessen kommen aus der SPD Forderungen, der Bund solle mehr Einfluss auf den Kurs der Bahn bekommen. Als Aktiengesellschaft handele sie eigenständig, sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol. „Es muss aber gewährleistet sein, dass sie verkehrspolitische Vorgaben umsetzt. Dazu gehört, dass der Bund als Eigentümer über den Aufsichtsrat die Bahn stärker steuert, damit klar ist, wo die Reise hingeht.“

Entsprechend lehnt der SPD-Politiker einen neuen Anlauf für eine Teilprivatisierung der Bahn ab. Schließlich hieße das, Einfluss abzugeben. „Ein Börsengang oder ein Anteilsverkauf stehen nicht zur Debatte“, sagte Bartol. „Dieses Thema ist für die SPD endgültig vom Tisch.“ Ursprünglich hatte die Bahn 2009 an die Börse gehen sollen, das Vorhaben war dann aber wegen der Finanzkrise gestoppt worden. Im schwarz-roten Koalitionsvertrag steht zu dem Thema nichts drin. mit dpa/AFP

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