Wirtschaft : Deutsche Bahn: Länder drohen mit Entzug von Aufträgen

Angesichts der geplanten Schließung von Instandhaltungswerken der Deutschen Bahn AG haben Bayern und Sachsen der Bahn mit Auftragsentzug gedroht. Sachsen betrachte die Bahn bei den anstehenden drei Neuausschreibungen im Regionalverkehr nicht mehr als Hauptansprechpartner, sagte ein Sprecher des sächsischen Wirtschaftsministeriums am Donnerstag. Bayern äußerte sich ähnlich. Bahnchef Hartmut Mehdorn reagierte gelassen. "Wir sind überzeugt, wir werden auch künftig Ausschreibungen gewinnen", sagte er. Die Bahn hatte die Schließung von acht ihrer 18 Instandhaltungswerke angekündigt. Vier der Werke liegen in Sachsen, zwei in Bayern.

Die Landesregierung werde ihren Einfluss bei den Zweckverbänden geltend machen, die über die Auftragsvergabe entscheiden, sagte der Sprecher des Dresdener Wirtschaftsministeriums. Dies sei eine Kampfansage an die Bahn. Es habe zwar auch in der Vergangenheit andere Anbieter gegeben, es sei aber immer zuerst mit der Bahn verhandelt worden. "Es muss aber nicht immer die Bahn sein", sagte der Sprecher. Nach seinen Angaben stehen in den nächsten zwei Jahren in drei Regionen Neuausschreibungen an. In Sachsen sind von den geplanten Schließungen 2200 Mitarbeiter betroffen. Die Bahn hatte angekündigt, bis 2003 fast die Hälfte ihrer Instandhaltungswerke zu schließen und 5900 Stellen abzubauen.

In Bayern sollen die Werke München-Neuaubing und Nürnberg geschlossen werden. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, Bayern werde dies nicht tatenlos hinnehmen. Minister Otto Wiesheu (CSU) sagte dem "Münchner Merkur": "Wir haben bald Verhandlungen über den Verkehrsdurchführungsvertrag. Da müssen wir uns überlegen, ob wir nicht in Teilbereichen mit anderen Partnern zusammenarbeiten, die ihre Fahrzeuge auch in Bayern warten." Auch Nordrhein-Westfalen protestierte gegen die Schließung des Werkes in Leverkusen-Opladen. Das Wirtschaftsministerium in Mecklenburg-Vorpommern, wo das Werk Neustrelitz geschlossen werden soll, erklärte, man sei in Gesprächen mit der Bahn.

Mehdorn erklärte erneut, die geplanten Schließungen von fast der Hälfte aller Instandhaltungswerke der Bahn seien notwendig, um das Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen. Die Gewerkschaft Transnet setzte ihre Proteste gegen die Schließungen fort. In Nürnberg habe es Arbeitsniederlegungen gegeben, in Chemnitz werde es am Freitag weitere Protestaktionen geben, sagte ein Transnet-Sprecher.

Künftig Fahrradverleih und Mietautos

Unterdessen kündigte die Deutsche Bahn an, künftig auch Fahrradverleih und Car-Sharing anzubieten. "Wir wollen damit die Reisekette vor und hinter dem Zug schließen", sagte Bahnchef Mehdorn am Donnerstag in München. Für das Projekt hat die Bahn das angeschlagene Unternehmen Call-A-Bike übernommen, das ein Mietfahrrad-Konzept entwickelt hatte. Das Projekt solle noch im September in München starten und bis Ende des Jahres ebenfalls in Berlin und Frankfurt angeboten werden.

Reisende könnten sich mit Car-Sharing und Callbikes zu günstigen Preisen Fahrzeuge ausleihen, sagte Mehdorn. Für Bahncard-Besitzer entfielen die beim Car-Sharing üblichen Einlagen oder Mitgliedsbeiträge. Ende 2001 will die Bahn mit Car-Sharing-Unternehmen in Berlin und Frankfurt (Main) eine Kooperation über ihre neu gegründete Tochter DB Rent beginnen. Die bisherige Zusammenarbeit der Bahn mit Autovermietern wie Sixt und Hertz soll durch die neuen Projekte aber nicht berührt werden.

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