Deutsche Bahn : Langes Ringen um den Börsengang

Nach langen Verhandlungen hat sich die große Koalition auf den Börsengang der Bahn geeinigt. Danach soll der staatseigene Konzern spätestens 2009 teilprivatisiert werden.

Berlin - Die Pläne für eine börsennotierte Bahn nahmen schon vor mehr als zehn Jahren ihren Anfang. Eine Chronologie:

17. Dezember 1993: Nach dem Bundestag billigt nach langem Streit auch der Bundesrat die Bahnreform und damit die schrittweise Privatisierung des Konzerns.

1. Januar 1994: Aus der Reichsbahn der ehemaligen DDR und der Bundesbahn wird die Deutsche Bahn AG, ein privates Unternehmen in staatlicher Hand. In den folgenden Jahren baut die Bahn das Geschäft mit dem Ziel eines Börsengangs um.

16. Dezember 1999: Hartmut Mehdorn tritt die Nachfolge des glücklosen Bahn-Chefs Johannes Ludewig an. Er soll das Staatsunternehmen fit für den Börsengang machen.

14. Januar 2004: Bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen der Bahn setzt sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für einen Börsengang ein.

4. September 2004: Bahnchef Hartmut Mehdorn konkretisiert seine Börsenpläne. Demnach soll der Staatskonzern 2006 an die Börse rollen.

22. September 2004: Der Börsengang scheitert im ersten Anlauf. Mehdorn muss sich einer Allianz von Verkehrspolitikern, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden geschlagen geben und den Börsengang verschieben.

17. Januar 2006: Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) legt ein vom Parlament angefordertes Gutachten zu den Privatisierungsvarianten der Bahn vor. Demnach wäre ein Börsengang mit Netz frühestens 2007 möglich. Eine Loslösung der Schiene bedeute eine Verzögerung um drei bis fünf Jahre. Tiefensee kündigt eine Entscheidung noch vor der Sommerpause an.

9. März 2006: Der Bundesrechnungshof warnt, der geplante Börsengang berge Milliardenrisiken für die Steuerzahler.

Sommer und Herbst 2006: Union und SPD ringen monatelang um ein Modell für den Börsengang. Bei den zahlreichen und immer komplexeren Vorschlägen geht es im Kern darum, wieviel Einfluss der Bund nach dem Börsengang noch hat.

30. September 2006: Mehdorn kündigt ein Rekordergebnis für das laufende Jahr an und wirft der Regierung zugleich vor, den Bahn-Börsengang zu verschleppen.

2. November 2006: Angesichts des zunehmenden Widerstandes in der großen Koalition deutet Mehdorn öffentlich an, dass er nicht mehr unbedingt mit einem Börsengang seines Konzerns rechnet. (tso/AFP)

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